April 1864 – Taufe romanischsprachigen Mann
Im Kanton Graubünden kommt es zur Taufe eines romanischsprachigen Mannes; es ist dies der einzige Eintrag eines Romanisch sprechenden Mitglieds im ganzen „Tauf-Buch Nr. 1“ der Schweizerischen-Italienischen-Deutschen Mission (Januar 1863 bis 1875).
29. April 1864 – Entzug Niederlassungbewilligung
Die Familien Zweifel und Zöllig, denen als Mormonen die Niederlassungsbewilligung im Kanton Graubünden entzogen worden war, reichen dagegen Beschwerde beim Bundesrat ein, in der sie sich auf die in der Bundesverfassung von 1848 verankerte Glaubens- und Gewissensfreiheit berufen. Der Bundesrat entscheidet in der Folge, dass die Mormonen „zwar wohl in ihren Glaubenslehren in einigen Punkten von den grossen christlichen Konfessionen abweichen, nicht aber in solchen, welche wesentlich nur dem Christentum angehören, daher sie immerhin als eine christliche Sekte betrachtet werden.“ Aufgrund dieses Urteils erklärt der Bundesrat die Beschwerde als begründet. Die Mormonen in der Schweiz geniessen die in der Bundesverfassung Art. 49 und 50 gewährleisteten Rechte nur insoweit, als dass sie mit den in der Schweiz herrschenden Begriffen der Sittlichkeit und der öffentlichen Ordnung nicht im Widerspruch stehen. Im übrigen bleibt es der Regierung des Kantons Graubünden unbenommen, „bezüglich des Mormonenkults die gutfindenden Verfügungen zu treffen, indem Art. 44 der Bundesverfassung von 1848 nur den vom Staate d. h. von den Kantonen anerkannten Konfessionen die freie Ausübung des Gottesdienstes zusichert. … Endlich macht der Bundesrat darauf aufmerksam, dass es der kantonalen Regierung freisteht, dannzumal nach Massgabe bestehender Vorschriften einzuschreiten, wenn Anhänger des Mormonentums Lehrsätze in Anwendung bringen wollten, welche mit der staatlichen Ordnung oder der öffentlichen Moral im Widerspruch stehen würden.“
Die Lehre der Mehrehe erweist sich in den folgenden Jahren immer wieder als Auslöser für das Einschreiten der staatlichen Obrigkeit. Die Meinungsverschiedenheit zwischen Kirche und Staat zu diesem Lehrpunkt spitzt sich vor allem in den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts – genau wie in den Vereinigten Staaten – zu. Die zahlreichen Prozesse vor Kantonsregierungen und der Landesregierung sowie vor verschiedenen gerichtlichen Instanzen, bis hin zum Bundesgericht, finden erst nach Bekanntgabe des „Manifests“ durch Präsident Wilford Woodruff im Jahr 1890 ein gewisses Ende.
Ironisches Flugblatt mit Bezug auf die bis 1890 von den Mormonen praktizierte Mehrehe. Auf der Rückseite des Flugblatts sind die Aussagen verschiedener prominenter Persönlichkeiten abgedruckt, darunter eine solche von US-Präsident (1901-1909) Theodore Roosevelt (1858-1919): „Ja, es ist wahr, dass die geschlechtliche Moral unter den „Mormonen“ aussergewöhnlich hoch ist. Sie haben viele Kinder, welche wohl ernährt und gut erzogen sind. Ihre jungen Männer geben sich weniger denn ihre Nachbarn den sinnlichen Geschlechtssünden hin, welche die Männerwürde so erniedrigt und das weibliche Geschlecht so brutal in Scham und Schande stösst.“
(Schweizerisches Bundesarchiv; Bestand E22/1869.)
6. Mai 1864 – Gasthaus „Zum roten Ochsen“
Stellvertretend für die alljährlich wiederkehrenden Gruppen von Auswanderern nach Zion sei hier der Bericht der Gruppe vom Frühjahr 1864 wiedergegeben:
„Am 6. Mai versammelten sich die Heiligen zur Auswanderung auf dem Zürcher Bahnhof, unter dem Gejohle und verächtlichen Gelächter einer Menschenmasse, die sich angesammelt hatte. In Basel angekommen, trafen sich alle auf dem Badener Bahnhof und verliessen Basel am 7. mittags für ihren ersten Aufenthalt in Mannheim. Am 8. bestiegen sie den Dampfer „Germania“ und verliessen Mannheim 5:30 morgens. In Düsseldorf kamen sie abends 9:30 an und stiegen auf „The Princess of Prussia“ um. Zur Mitternacht fuhren sie ab und waren nur eine kurze Strecke gefahren, als sie auf eine Sandbank liefen, da der Lotse betrunken war. Um 2 Uhr morgens kamen sie endlich los und setzten ihre Reise fort. Am 10. schifften sich die Heiligen auf der „Batavier“ ein, wo sie wie Sardinen zusammengepfercht wurden, da der Dampfer eine Ladung Vieh für den Londoner Markt hatte. So wie es auf hohe See ging wurden alle seekrank, und der Gestank von dem Erbrechen in dem überfüllten Raum war geradezu furchtbar. Dazu stellte sich noch ein dichter Nebel und heftiger Regen ein, der alle Decks schlüpfrig machte, sodass keiner zu laufen wagte. Mit dem Morgengrauen des 11. Mai klärte sich das Wetter auf, und die Mitglieder begannen besser zu fühlen. 8 Uhr morgens legte das Schiff 30 Meilen unterhalb Londons an, und alle fühlten erleichtert wieder festen Boden unter ihren Füssen zu haben.“
„Am 8. Juni [1878] trafen sich die Auswanderer, wie üblich, im „Rothen Ochsen“ in Basel. Diesmal wurden drei Extrawagen nur für die Auswanderer bereitgestellt, und in Mannheim gesellten sich noch 31 Heilige aus Deutschland hinzu…“.
Kleinbasel, Gasthaus zum roten Ochsen: Sammlungsplatz der Auswanderer im 19. Jahrhundert. Aus der ganzen Schweiz fanden sich die Heiligen hier oftmals ein, um von Basel mit dem Schiff oder der Eisenbahn an die Nordseeküste zu gelangen, von wo aus die Reise per Schiff nach Liverpool und dann über den Atlantik nach New York weiterging: „Am 8. Juni [1878] trafen sich die Auswanderer, wie üblich, im „Rothen Ochsen“ in Basel. Diesmal wurden drei Extrawagen nur für die Auswanderer bereitgestellt, und in Mannheim gesellten sich noch 31 Heilige aus Deutschland hinzu…“.
(Zur Verfügung gestellt von Willi Waldner, Münchenstein.)
10. August 1864 – Reise nach Piemont
Im Missionsbüro in Genf trifft Elder Guglielmo Sangiovani ein, der berufen worden war, auf Mission nach Italien zu gehen. Am 8. September tritt er die Reise ins Piemont an. Die Alpen überquert er in einem zweitägigen Fussmarsch. Nach einer langen Zeit des Wartens erreicht damit endlich wieder ein Missionar der Kirche die Mitglieder im Piemont.
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Anhang der Chronik
175 Jahrfeier
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
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Tempel Zollikofen (1955)
