28. März 1870 – Ankunft Elder Schönfeld in Zürich
Ankunft von Elder Eduard Schönfeld in Zürich. Elder Schönfeld ist der erste Missionar aus Utah, der Amerika ganz auf dem Schienenstrang durchquert und New York City an der Atlantikküste direkt mit der Eisenbahn erreicht hat. Für die Reise von Salt Lake City nach Zürich benötigte er 19½ Tage.
Juli 1870 – Missionshauptsitz Bern
Unter dem neuen Missionspräsidenten Schönfeld wird der Missionshauptsitz von Zürich nach Bern, Altenberg 158, verlegt.
6. Juli 1870 – Deutsch-Französischer Krieg
Die jährliche Auswanderergruppe reist vor dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges am 19. Juli 1870 gerade noch rechtzeitig vom Bahnhof in Basel ab. Nach Kriegsausbruch wird die Schifffahrt auf dem Rhein grösstenteils eingestellt.
31. Oktober 1870 – Priestertum in Aktion
In der Missionskanzlei in Bern trifft der nachfolgende packende Bericht ein, der das Priestertum in Aktion schildert; veröffentlicht im „Stern“ vom Dezember 1870:
„Vor kurzer Zeit wurde auf der Missionskanzlei ein Brief eingehändigt, welcher aus dem obern Simmenthal kam. Es wurde darin von dem Absender das heisse Verlangen ausgesprochen, es möchte doch sofort ein Ältester nach dem bezeichneten Orte kommen, da der leibliche Bruder, ein junger Mann von 17 Jahren, so heftig erkrankt sei, dass die herbeigerufenen Ärzte sowie die eigenen Eltern an seinem Aufkommen zweifelten. Der betreffende aber bereue seine bis dahin gehegten und genugsam an den Tag gelegten Feindseligkeiten gegen die Lehre der Heiligen und wünsche die Taufe wenn irgend möglich zu empfangen. Nur etwa 10 Tage vorher war einer unserer reisenden Ältesten in jenen abgelegenen Bergen und in dem Hause der Eltern des Betreffenden gewesen, bei welcher Gelegenheit der junge Mann durch mancherlei Kundgebungen mehr als seine Abneigung zu unserer Lehre an den Tag gelegt hatte. Jetzt wollte er selbst demselben Bunde beitreten. Es war mir wegen anderer dringender Missionsgeschäfte für den Augenblick selbst unmöglich, die weite Reise dahin zu unternehmen, telegrafirte daher an den nächsten Ältesten, einen jungen Schweizer, und liess die Depesche, welche ihm bedeutete, sich sofort nach S. in das Haus R. zu begeben, durch einen Extra-Boten von der Endstation weiterbefördern. Die Kürze der Depesche erlaubte nicht einmal, dem Ältesten den Grund anzugeben, sondern nur den dringenden Wunsch auszusprechen, der Weisung unfehlbar Folge zu leisten. Etwa eine Woche später hatte ich auf meinen Reisen selbst Gelegenheit, den jungen Ältesten zu sehen und aus seinem eigenen Munde vernahm ich Folgendes: „Ich machte mich sofort auf die Reise und schlug den Pfad über die Berge ein, welcher mich um fünf Stunden eher zu meinem Ziele führte als der weite Weg durch die Thalwindungen, da ohnedem das Gerücht ging, die durch die heftigen Regengüsse bedeutend angeschwollene Simme (Fluss) habe die Strasse stellenweise weggerissen. Obgleich ich als eingeborner Hochländer die Bergpfade gut kenne und zu Zeiten auch den Gemsen durch Schluchten und über Bergwände mit jener Kühnheit gefolgt war, die nur Gemsenjägern eigen ist, so hatte ich doch keine Ahnung von dem, was meiner wartete. In jenen Höhen hatte ich meinen Pfad in dieser Jahreszeit nicht nur selbst zu brechen, sondern mich oft bis unter die Arme im Schnee durchzukämpfen, und noch dazu an Stellen, wo ein gefehlter Schritt gefährlich gewesen wäre. Im entgegengesetzten Thale angekommen, hatte ich denselben Kampf, aber mit den reissenden Fluthen, welche in ihrem ungehemmten Laufe aus ihrem Bette getreten waren und Steine, Holz, Felsblöcke usw. mit sich fortnahmen, zu bestehen. – Bald sollte ich die Absicht meiner Reise erfahren, denn ich fand in dem bezeichneten Hause den kranken jungen Mann, dessen Zustand zu nicht grossen Hoffnungen berechtigte. – Das erste war, ihm die Hände aufzulegen für die Gabe der Heilung, und dem Zerstörer zu gebieten, von seinem System zu weichen. So schnell als thunlich nahm ich ihn in den Fluss und taufte ihn durch Untertauchen unter das Wasser für die Vergebung seiner Sünden, obgleich der wilde Bergstrom, welcher in seinem Ungestüm und aller Fesseln entbunden, zentnerschwere Steine mit sich riss, es für uns fast lebensgefährlich machte. Ich verfehlte nicht, nachher in einer Versammlung in jenem Hause mein Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums laut und deutlich abzulegen, und verliess den jungen Mann am andern Tage – gesund. Kein Geld noch Silber hätte mich bewegen können, den gefährlichen Weg über die Berge noch einmal zu unternehmen; ich zog es vor, meine zehn Stunden durch die Thalwindungen zurückzulegen, obgleich der wilde Bergstrom die Strasse theilweise gänzlich zerstört hatte.
Der Name dieses jungen, kühnen und hochherzigen Ältesten ist: Joh. Kunz, ein Sohn unsers Bruders gleichen Namens, welcher mit der Auswanderung nach Utah gezogen ist. Wohl sagt der Herr zu dem alten Propheten, dass in den letzten Tagen er wolle seine Diener aussenden, das Übrige vom Hause Israels in den Thälern, Bergklüften und Steinritzen zusammenzulesen [Jeremia 16:16]. Ihr wohlbezahlten Pfaffen, gehet hin und thuet es ihm nach!“
Johannes Kunz III (1844-1918), der am 15. November 1868 von Karl G. Mäser im Grundbach getauft worden war. Im Herbst 1870 unternahm er eine halsbrecherische Bergreise, um dem krank darniederliegenden Johann Peter Röthlisberger (1852-1944) in Schönried einen Krankensegen zu geben und ihn im Hugelibach zu taufen.
(Mit Genehmigung von panarchiv.)
Der Grossvater des oben erwähnten Johannes Kunz III, Johannes Kunz I, liess sich am 22. Juni 1862 als erster Bekehrter im Simmental von Ulrich Bühler taufen, zusammen mit der Zwillingstochter Rosina. Die Familie Kunz lebte auf dem Blattenschwand (heute: Schwand) in Meniggrund ob Zwischenflüh im Diemtigtal.
Das Haus der Familie Kunz auf dem Blattenschwand in Meniggrund ob Zwischenflüh: Im Jahr 1708 im Stil eines Kandertaler Hauses erbaut, war es lange Zeit das einzige Haus „Auf der Blatten“. Heute ist es die „Obere Blatten“, im Gegensatz zum um das Jahr 1800 erbauten Haus „Untere Blatten“. Als Präsident Karl G. Mäser die Grosseltern Kunz im Herbst 1868 auf dem Blattenschwand besuchte, erklärte sich Magdalena Kunz geb. Straubhaar (1837-1874) auf der „Unteren Blatten“ bereit, der Versammlung auf der „Oberen Blatten“ auch beiwohnen zu wollen; letzten Endes liess sich ihr Mann Johannes Kunz III überzeugen, ebenfalls mitzugehen, nicht ohne die Bemerkung, er wolle seine Pfeife mitnehmen, damit er die Missionare im Haus seiner Grosseltern „ausräuchern“ könne.
(Mit Genehmigung von panarchiv).
Missionspräsident Karl Gottfried Mäser besuchte die Familie im November 1868 auf dem Blattenschwand, in Begleitung von Elder Willard Brigham Richards. Präsident Mäser taufte die Grossmutter, Rosina Katharina Klossner Kunz sowie Johannes Kunz III und dessen Ehefrau Magdalena geb. Straubhaar am 15. im Grundbach (heute: Meniggrundbach). Der Vater, Johannes Kunz II, begründete nach der Auswanderung mit seiner Familie die Milchverarbeitung (Molkerei) in der Ortschaft Bern in Idaho.
Beim 17jährigen Getauften handelt es sich um Johann Peter Röthlisberger. Die Familie Röthlisberger lebte in Schönried bei Saanen, und die Taufen der Familie Röthlisberger wurden jeweils im Hugelibach vollzogen.
Kapitel Chronik
Anhang der Chronik
175 Jahrfeier
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
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175 Jahrfeier
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Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
Tempel Zollikofen (1955)
