ab 1934 – Glaube im Schatten des Hakenkreuzes
Die dunklen Schatten des Naziregimes in Deutschland beginnen länger zu werden und legen sich allmählich auch auf die Kirche mit ihren Organisationen. Am 9. Januar untersagt die Reichsführung jegliche weitere Verbreitung der Broschüre „Göttliche Vollmacht“ im Reichsgebiet. Am 1. Mai dann verbietet die Reichsjugendführung alle
Pfadfinderorganisationen, also auch die Boy Scouts der Kirche. In verschiedenen Gegenden Deutschlands wird die Verteilung religiösen Materials untersagt. Am 11. Juli 1935 wird in Elbing das Buch Die Glaubensartikel von James E. Talmage indiziert; alle Exemplare, die sich in der Stadt befinden, müssen verbrannt werden.
Es kommt vermehrt vor, dass „Braunhemden“ in Versammlungen der Kirche auftauchen um in Erfahrung zu bringen, was für Lehren dort gepredigt werden. Lieder, in denen von „Israel“ die Rede ist, werden verboten und dürfen nicht mehr gesungen werden. Die kirchlichen Aktivitäten werden teilweise stark behindert, Übergriffe auf Missionare kommen häufiger vor.
Da sich die Kirche als adoptierten Teil des Bundesvolkes des Herrn, als eingepfropften Zweig im Stamm des Hauses Israel, betrachtet, ist diese neue Situation für die deutschen Mitglieder sehr schwierig zu bewältigen, da sich ein andauernder Loyalitätskonflikt abzeichnet zwischen religiöser Überzeugung auf der einen, und der Treue zum Staat, wie sie im 12. Glaubensartikel gefordert wird, auf der anderen Seite. Missionspräsident Philemon M. Kelly formuliert das in seinem Bericht für das Jahr 1935 wie folgt: „Die Anpassung an das jüdische Problem ist immer noch ein Anlass zu ernster Sorge. Die Leute sind vorsichtig mit dem, was sie sagen, um die Behörden nicht zu verärgern.“
Die Führer der Kirche sind darum bemüht, guten Kontakt zur Reichsregierung zu wahren. Insbesondere der Präsident der Ostdeutschen Mission, Alfred C. Rees, erreicht hier einiges. Am 14. April 1939 erscheint im „Völkischen Beobachter“, der offiziellen Nazizeitung, ein von Präsident Rees verfasster Artikel, der für die Kirche ohne Zweifel von Vorteil ist; aus heutiger Sicht betrachtet, beinhaltet der Text Passagen, die „sowohl erschreckend als auch beschämend“ sind. Der Kurs der Annäherung geht bisweilen selbst der Partei zu weit: Als besagter Artikel in Form einer Broschüre herausgegeben wird, auf der gleichzeitig mit dem Kirchennamen das Hakenkreuz prangt, muss die Broschüre eingezogen werden, weil die Partei dagegen ist, dass der kirchliche Schriftzug zusammen mit dem Hakenkreuz erscheint: „… Sie nahmen es übel auf, dass man folgern könnte, die Partei hiesse irgendeine amerikanische religiöse Sekte gut.“ Dieser teilweise übereifrige Anpassungskurs hat der Kirche in Deutschland einige Kritik eingetragen, die sicher nicht ganz unberechtigt ist. Die Diskussion zwischen Verständigung und Abgrenzung, gerade in und zu diktatorischen Ländern, ist jedoch eine schwierig zu führende, weil wohl nie ganz objektive, wie später auch das Beispiel DDR zeigt.
Die meisten Mitglieder versuchen, sich mit der Situation irgendwie zu arrangieren. Dennoch gibt es in der Mitgliedschaft etwelche feurige Anhänger der Nationalsozialistischen Partei (und wohl nicht nur in Deutschland und in Österreich). Folgendes stammt aus einem Brief von Max Zimmer, der am 24. November 1945 in der „Deseret News“ erschien: „Paul Kayser erwies sich im Elsass als wahrer Vater der Heiligen. In den ersten
beiden Jahren der deutschen Besatzung hatte er es schwer als Präsident der Gemeinde Strassburg, da manche der präsidierenden Brüder 100 prozentige Nazis waren und versuchten, bei ihren Besuchen statt des Evangeliums Jesu Christi den Nationalsozialismus zu predigen. Die Heiligen wurden aufgefordert, in den Versammlungen und zu Hause für den „Führer“ zu beten und ihn als von Gott berufen zu betrachten; er solle die Welt auf die Vereinigte Ordnung vorbereiten. Diese Brüder müssen viel Törichtes gesagt haben, und die Leute wussten nicht immer, wie die Kirche dazu stand. Viele hatten den Eindruck, wir als Kirche seien für den Nationalsozialismus. Es wurde versucht, den Hitlergruss in Übereinstimmung mit den Lehren der Kirche zu bringen und zu beweisen, dass die Nazipartei nach dem Muster der Kirche organisiert sei; der „Führer“ sei wie der Präsident der Kirche, und wir sollten ihm Gehorsam leisten. Die SS wurde mit dem Melchisedekischen und die SA mit dem Aaronischen Priestertum verglichen, die Gauleiter mit den Pfahlpräsidenten, die Kreis- und Blockleiter mit unseren Heimlehrern usw. Es war gut, dass Bruder Kayser dort war, der sich nicht zum Nationalsozialismus bekehren liess, sondern an der eisernen Stange festhielt und es schliesslich schaffte, dass die Brüder ihn in Ruhe liessen und er seine Gemeinde auf die altbewährte Weise leiten konnte.“
Einige Mitglieder begeben sich in offene Opposition zu Hitler und dessen Getreuen. Im August 1942 werden drei junge Mitglieder der Kirche in Hamburg wegen Hochverrats vor Gericht gestellt. Sie hatten beschlossen, die Informationen aus dem britischen Rundfunk zu vervielfältigen und in der Öffentlichkeit zu verteilen: „Helmuth Hübener entwarf Handzettel, die solche Titel wie „Was geschah mit General Schoerner, Kommandanten in Serbien?“, „Hitler, der Mörder“ und „Die Hitlerjugend, der wir beitreten mussten“ trugen und [sie] warfen sie in Briefkästen, legten sie in Telefonzellen und hefteten sie sogar an die offiziellen Partei-Anschlagtafeln.“ Vor dem Reichsgerichtshof in Berlin werden sie abgeurteilt. Helmuth Hübener, wird zum Tode verurteilt und 27. Oktober 1942 im Gefängnis Berlin-Pöltzensee mit dem Fallbeil enthauptet. Rudolf Gustav Wobbe wird zu zehn, Karl-Heinz Schnibbe zu fünf und ein weiterer Beteiligter, Gerhard Düwer, der wie Helmuth bei der Sozialbehörde arbeitete, zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Helmuth Hübener beweist in diesen verhängnisvollen Tagen bemerkenswerten Mut und schreibt in einem sehr bewegenden Brief an Schwester Maria Sommerfeld: „Ich weiss, dass Gott lebt und dass er der wahre Richter in dieser Sache ist. Bis zum glücklichen Wiedersehen in jener besseren Welt….“.
Sein Freund Karl-Heinz Schnibbe, der heute in Salt Lake City lebt, sagt über Helmuths Motiv, sich für den Widerstand gegen Hitler aufzuopfern: „Helmuth war nicht so dumm und naiv, zu glauben, wir könnten deutsche Führer in die Knie zwingen. Nein, Helmuth wollte, dass die Leute zu denken anfingen.“
Auf Druck seitens der Partei wird Helmuth Hübener aus der Kirche ausgeschlossen (die Kirche in Hamburg war wegen dieses Vorfalls in arge Bedrängnis geraten, da zur Herstellung der Handzettel unter anderem die kircheneigenen Büromaschinen benutzt worden waren). Diese Entscheidung wird nach dem Krieg von der Ersten Präsidentschaft widerrufen und sie stellt Helmuth Hübeners Stand in der Kirche wieder voll her.
Die drei jugendlichen Freunde (von links nach rechts) Rudolf Gustav Wobbe (1926-1992), Helmuth Hübener (1925-1942) und Karl-Heinz Schnibbe (*1924). Zwei informative Artikel sind im „Stern“ vom Februar 1983 und im „Liahona“ vom April 2003 erschienen, denen auch die nebenstehende Fotographie und Bekanntmachung entnommen sind.
15. Juli 1934 – Besuch aus Salt Lake City
Schwester Louise Y. Robinson, Generalpräsidentin der Frauenhilfsvereinigung, nimmt vom 2. bis 12. Juli als eine der neun Delegierten der Vereinigten Staaten am Internationalen Frauenkongress in Paris teil. Am 14. Juli wird sie von Missionspräsident Francis Salzner in Zürich empfangen, wo sie tags darauf an zwei Versammlungen teilnimmt, die für die Schwestern einberufen worden sind. Gleichartige Versammlungen besucht sie daraufhin am 16./17. Juli in Interlaken und Bern. Ab dem 19. Juli hält sie sich in Basel auf, wo sie an der wöchentlichen Versammlung der Frauenhilfsvereinigung teilnimmt und am 22. Juli in der Predigtversammlung der Gemeinde Basel spricht.
Bienenkorbmädchen bei der Diplomverteilung am „Schwarmtag“ in Zürich im September 1931; in der Mitte Ältester Eduard Feh, Präsident des Zürcher Distrikts. Eduard Feh war als Superintendent der Schweizerischen Sonntagsschulen mitverantwortlich für den grossartigen Aufschwung, den das Sonntagsschulwerk in den Zwanziger und Dreissiger Jahren nahm. „Würde man mir die Frage stellen, was wohl das grösste Vorrecht unsres Daseins sei, dann würde ich ohne zu zögern sagen: „Die Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.“ Diese positive Antwort der gestellten Frage ist nicht etwas Spontanes oder Vorübergehendes, sondern das Resultat einer achtundzwanzigjährigen Mitgliedschaft und Tätigkeit in dieser Kirche, einer Fülle von Erfahrungen, die mir untrügliche Beweise für den unschätzbaren Wert der Zugehörigkeit zu dieser Kirche, und eine unendliche Reihe von Segnungen und Erlebnissen, die teilweise fast an Wunder grenzen, dennoch erfassbar sind und zu einem unerschütterlichen Zeugnis dienen, dass Gott in diesem Werke ist und wir durch die Mitgliedschaft in der Kirche Ihm sehr nahe stehen, so wir ihm Einklang sind mit den von Ihm geoffenbarten Geboten. Die drei brennenden Fragen: Woher, Warum, Wohin? Werden in der klarsten Weise beantwortet, wenn wir das Evangelium an uns wirken lassen.“ (15. Oktober 1937, erschienen im „Stern“ unter der Artikelserie „Botschaften und Zeugnisse unsrer Distriktspräsidenten“, Folge IV).
Zur Verfügung gestellt von Dora Gäub (1912-2002).
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Mount Brigham (1850)
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