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Chronik

1883 – Bericht Westschweiz

7. Januar 1883 – Gründung Sonntagsschule

Gründung der ersten Sonntagsschule der Mission in der Gemeinde Schaffhausen. Als Sonntagsschulleiter wird Bruder August Haage eingesetzt „unter Beihülfe“ von Bruder Karl Schmid. Ein späterer Bericht des Sonntagsschulleiters hält fest: „Die Kinder sind bis anhin in zwei Klassen eingetheilt, von welcher die erste Klasse oder die Kleineren Lieder aus dem Gesangbuch lernen müssen, aus welchem sie bis jetzt die Nummern 2, 3, 6, 16 und 24 gelernt. Die zweite Klasse lernt die Fragen aus dem Katechismus und dieselbe ist bei der Anfertigung des Berichtes bis zur fünften Frage des 4. Kapitels vorgeschritten. Nach Abhörung des Auswendiggelernten wird beiden Klassen im Evangelium Lukas, das gegenwärtig behandelt wird, ein Kapitel oder auch nur die Hälfte eines Solchen vorgelesen und dann erklärt, nachher an sämmtliche Kinder über das Gelesene und Erklärte wieder Fragen gestellt… und dann am Schlusse allen Schülern die Aufgabe gestellt, während der Woche das nächstfolgende Kapitel zu lesen und darüber nachzudenken.“ („Stern“ vom 1. Oktober 1883).

22. Februar 1883 – Missionare in der Westschweiz

Aus dem Alltag der Missionare in der Westschweiz berichtet Ältester Schiess im Stern vom 1. April 1883:

„Den 22. Februar verliess ich mit Bruder Villet die Gemeinde Genf; wir nahmen das Schiff nach Vevey, Villet besuchte dort einige Freunde und ich begab mich nach Montreux, suchte den Bruder von Fritz Aeschimann auf, auch fand ich Bruder Teuscher, welche Beide mich gut aufnahmen und mir für eine Herberge sorgten. In Vevey wartete Bruder Leuba auf uns, weil wir ihm eine Karte sandten. Von Bruder Leuba kann ich nicht viel berichten. Er ist mit seiner Mutter und arbeitet in Vergrösserung von Photographien. Nächsten Morgen reiste ich zu Fuss nach Vevey, wo ich die Schwester Meier besuchte und zufrieden im Evangelium fand. Wir reisten dann nach Lausanne, wo wir die Tochter von Jean U. Widmer, von St. Imier, besuchten.

Den nächsten Tag kamen wir bis nach Yverdon; unterwegs gaben wir an zwei Orten Zeugnis und herbergten hier. Dann ging es zu Fuss bis nach Neuenburg, wo wir von den Schwestern Gyger und Schneider wohl empfangen wurden. Tags darauf hielten wir zwei zahlreich besuchte Versammlungen bei Schwester Gyger, und hatten die Gelegenheit in den See hinaus zu gehen, um zwei Personen zu taufen. Montag Morgen verliessen wir diese Stadt, wandten unsere Schritte gegen Montezillon zu Geschwister Drak, wo wir die Schwester sehr krank antrafen. Wir beteten mit ihr und salbten sie mit Öl, worauf sie sich wieder sehr gut fühlte. Wir gingen noch bis nach Jonchère zu Geschwister Schori, wo wir mit einem Pfarrer einen langen Diskurs hatten. Abends war Versammlung bei Geschwister Blaser in Fontaines. Hier verliess ich Bruder Villet, er ging nach Chaux-de-Fonds und ich zurück über Neuenburg nach Cressier, wo ich bei einer Familie Jordi gut aufgenommen wurde und Gelegenheit hatte, da eine kleinere Versammlung abhalten zu können. Hier und in Erlach habe ich Hoffnung, eine Öffnung zu finden für das Evangelium. Des andern Tags ging’s über das Gebirge nach Lignières, wo ich auch mit guter Hoffnung auf etwelchen Erfolg Zeugnis gab. Lenkte dann meine Schritte nach Biel und Kappelen, und fand die meisten Heiligen gut im Glauben. Hier blieb ich über Sonntag, hielt in Bruder Looslis Haus, sowie auch in Kappelen und Friedliswart Versammlung. Ebenfalls auch in Bözingen ist Aussicht auf Erfolg. Dann kehrte ich nach Villeret und fand die Heiligen treu in ihrem Glauben. Villet traf hier ein und wir hielten zusammen Versammlung, welche gut besucht wurde. Nachdem ich Br. Villet seine Pflichten und die auf ihm ruhende Verantwortung erklärt hatte, sandte ich ihn auf den Weg gegen sein Arbeitsfeld. So lang ich mit ihm war, fand ich ihn als ein guter, demüthiger Mann und ich hoffe, dass er ein brauchbares Werkzeug zum Werke Gottes werden wird. Er hielt Versammlung in Neuenburg letzten Sonntag, wo er auch eine Person taufte, ist jetzt aber auf dem Wege nach Genf. Letzte Woche arbeitete ich in der Umgegend von St. Imier und Villeret, hielt Sonntags zwei gute Versammlungen, in der Zwischenzeit taufte zwei Personen. Diese Gemeinde ist in einem aufblühenden Zustande; auch nächsten Sonntag sind wieder zwei Personen zur Taufe bereit; erwarte aber selbst dort zu sein, wenn immer möglich. Verliess St. Imier für Chaux-de-Fonds, gab Mehreren Zeugnis, und fand hier ein Platz, wo wir zu jeder Zeit Versammlung halten können, hielt daselbst eine und hoffe wieder guten Grund zu finden.“

Es folgt der Bericht über eine Missionsreise von Präsident Peter Friedrich Gass, der am 17. März von Bern aus die Gemeinde Simmental besuchte. Unterwegs machte er Halt in Gwatt bei Thun, wo die Tochter von Schwester von Känel krank darniederlag. In Oey verweilte er kurze Zeit bei Familie Hiltebrand. Unerwartet traf er später in Zwischenflüh ein, wo sonntags eine Versammlung abgehalten wurde, zu der die Mitglieder teilweise von zwei bis fünf Stunden weit hergekommen waren. Montags führte ihn die Reise nach Aeschi zu Bruder von Känel und Familie Baumann, worauf er sich nach Faulensee zu den Geschwistern Schüpbach begab. Am Dienstag brach er auf nach Thun zu Schwester Fahrni, danach besuchte er Frau Tschabold in Steffisburg und ging von dort über den Berg nach Röthenbach und Eggiwil. Abends schliesslich kehrte er über Signau nach Bern zurück.

Eine ähnliche Reise hatte Präsident Gass im Februar in die Ostschweiz und nach Süddeutschland unternommen, während der er die Ortschaften Bäretswil, Bauma, Winterthur, Sirnach, Münchwilen, Lichtensteig, Zürich, Bülach und Schaffhausen besuchte. Über Friedrichshafen, Ulm und Aalen reiste er weiter nach Nürnberg, Erlangen, München, Ludwigshafen, Mannheim, Karlsruhe und Durlach, von wo aus er mit dem Zug in die Schweiz zurückkehrte, wo er über Basel, Liestal und Niederwil endlich in Bern anlangte, „noch früh genug für die Abendversammlung“. Überall regelte er die Angelegenheiten der Kirche und hielt Versammlungen im kleineren oder grösseren Kreis mit den Mitgliedern. In Süddeutschland musste er einige Gemeinden formell auflösen, weil etliche Mitglieder wegen ihrer Religion „vor dem Polizeikommissär erscheinen mussten“. Präsident Gass hatte diese Massnahme „in Folge der Landesgesetze und gegenwärtig bestehender Verhältnisse“ ergriffen, und er forderte die Mitglieder wiederholt auf, den Gesetzen des Landes auch wirklich Folge zu leisten.

28. Mai 1883 – Eigenständige Auswanderung

Das Schiff „Nevada“ mit 413 Mormonen-Auswanderern an Bord wird von der Einwanderungsbehörde in New York gestoppt und aufs Genauste untersucht. Der in Basel stationierte Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten, Konsul Frank H. Mason, dem die Mormonen ein Dorn im Auge sind, hatte seiner Regierung berichtet: „Beinahe alle die auf dem Dampfer „Nevada“ sich befindlichen Auswanderer sind aus den Elendsten in der Schweiz zusammengeschaart, um die Zahl der Heiligen in Utah zu vergrössern, und diejenigen aus der Schweiz sind meistentheils arme, einfältige Kreaturen, deren Fahrt bis nach den Vereinigten Staaten von ihren Heimatgemeinden bezahlt wurde, um sich auf diese Weise von lästigen Bürgern zu befreien.“

Auch die amerikanische Presse nimmt sich des Themas an. Der „New York Herald“ schreibt: „Nach all dem Gerede über den Dampfer „Nevada“ und seiner Ladung almosenempfangender Mormonen stellt es sich heraus, dass dieses Schiff eine Ladung bekehrter Heiliger der Letzten Tage herübergebracht hat, die alle auffällig sauber und gesund waren. Die meisten davon hatten Geld, und in keinem Falle wurde die Reise für eine Person von einer Stadt oder Ortschaft von einer der beiden Seiten des Meeres bezahlt. Konsul Mason scheint sehr voreilig mit seiner Warnungsnachricht gewesen zu sein.“ 

Auch der „Stern“ vom 15. Juli 1883 berichtet über den Vorfall.

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