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Vorwort zur 1. Auflage

Als ich im Mai dieses Jahres von den im Büro der Schweiz Zürich Mission tätigen Missionaren angefragt wurde, ob ich ein geschichtliches Manuskript, das sie aufgrund des 150-Jahr-Jubiläums der Schweizerischen Mission erarbeitet hatten, durchsehen und ergänzen könne, ahnte ich nicht, was damit auf mich zukommen würde.

Bald einmal stellte ich fest, dass das Material, das ihnen für diese Arbeit zur Verfügung stand, unpräzise und lückenhaft ist. Schlimmer noch, dass Vieles von dem, was da als Grundlage zur Geschichtsschreibung herangezogen wurde, derart von Mythen und subjektiver Wahrnehmung durchsetzt ist, dass ohne Beizug von Primärquellen nur schwer beurteilt werden kann, was wahr ist und was an Fiktion grenzt. Gewiss, eine objektiv korrekte Geschichtsschreibung ist ein schwieriges Unterfangen, denn letztlich nimmt jeder Mensch ein und dasselbe Erlebnis völlig unterschiedlich wahr, und Geschichte wird nun mal von den Menschen geschrieben. Trotzdem gibt es Fakten, die nicht vom Tisch gewischt werden können, auch wenn sie für einen selbst nicht unbedingt vorteilhaft sind. Sie korrekt wiederzugeben ist ein Gebot der Fairness. Es geht nicht an, dass man das eigene Fehlverhalten entschuldigend beschönigt, während man ein solches bei seinem Gegner verabscheut.

Vom ersten Tag ihrer Geschichte an hatte die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, oder die Mormonen, wie sie genannt werden, Gegner, manchmal sogar erbitterte Feinde. Dennoch fanden sich immer wieder Menschen, die sich trotz dieses enormen Widerstandes der Kirche anschlossen. Weshalb? Dem auf den Grund zu gehen lohnt sich, weil bei jedem Mitglied der Weg zur Erkenntnis anders verlaufen ist. Eines aber ist gewiss: Zu keiner Zeit war es unter den Mormonen-Missionaren üblich, die Leute zu ihrem Glauben arglistig überreden oder ihnen etwas vortäuschen zu wollen. Vielmehr lautete und lautet die Aufforderung «Komm, und sieh!», und den Suchenden wird der Weg gewiesen, wie sie durch das Wirken des Heiligen Geistes selbst eine Überzeugung davon erlangen können, ob die von der Kirche gepredigten Lehren wahr sind oder nicht. Geistige Erlebnisse bis hin zu Wundertaten sind eine natürliche Folge dieses Erkennungsprozesses. Dennoch muss aufgepasst werden, dass die von den Nachkommen immer und immer wieder geschilderten Bekehrungsgeschichten nicht zu pathetischer Phantasterei verkommen.

Aus all diesen Gründen war es mein Bestreben, für diese – parallel zur Arbeit für die Mission entstehende – Chronik auf Primärquellen zurückzugreifen. Dies ist in vielen Fällen zwar möglich, gleichzeitig aber sehr zeitaufwendig. Es ist faszinierend zu erleben, was sich alles für Material zusammentragen lässt; nur schon ein Augenschein im Bundesarchiv in Bern fördert vieles zu Tage. Auch im Kirchenarchiv in Utah lagern tonnenweise Akten, ganz zu schweigen von dem, was sich in Tausenden von Privathaushalten sammelt. Das Sammeln der Daten ist das eine; das Auswerten derselben hingegen das andere. Dies mag auch mit ein Grund sein, dass trotz der Fülle an Material nur etwa die ersten zehn Jahre des Mormonentums in der Schweiz wirklich erforscht sind. Sollte es den Mitgliedern in der Schweiz einmal ein Anliegen sein, ihre Kirchengeschichte ausführlich und gewissenhaft dokumentiert zu sehen, so führt der Weg dahin wohl nur über den Einsatz verschiedener Arbeitsgruppen, die beispielsweise nach Regionen und Sachgebieten forschend tätig werden.

Die vorliegende Chronik erhebt deshalb nicht den Anspruch, vollständig und bis in jede Einzelheit korrekt zu sein. Dazu musste zu oft auf ungesichertes Drittmaterial abgestützt werden. Dennoch habe ich mich aufrichtig bemüht, sie in der kurzen Zeit, die mir zur Verfügung stand, so vollständig und genau wie irgendwie möglich abzufassen. Damit der Rahmen einer solchen Chronik nicht gesprengt wird, war es unmöglich, jede vorhandene Familiengeschichte einzuflechten. Die in dieser Abhandlung vertretenen stehen daher stellvertretend für die vielen anderen, die keine Aufnahme fanden.

Ausserdem weise ich darauf hin, dass diese Chronik in erster Linie für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage geschrieben worden ist. Es ist mir bewusst dass sich Aussenstehende in den vielen für sie fremdartigen Begriffen nicht zurechtfinden könnten. Hier verweise ich auf das ausgezeichnete Material, das die Kirche für Interessierte der Kirche herausgegeben hat wie z. B. «Das Zeugnis des Propheten Joseph Smith», «Die Wahrheit wiederhergestellt», «Unsere Geschichte», «Grundbegriffe des Evangeliums», die «HLT»-Broschüre des Pfahls Zürich oder eine Kurzabhandlung, die ich selbst einmal zu diesem Zweck verfasste, und die bei mir angefordert werden kann.

Im Weiteren habe ich auf fast alles statistische Material verzichtet, da die Aufarbeitung desselben sehr mangelhaft ist. Dieses zu bearbeiten wäre ein weiteres wichtiges Wirkungsfeld. Dasselbe gilt für die Daten der einzelnen Schweizer Gemeinden, die in Erfahrung zu bringen wohl Jahre in Anspruch nehmen würde, Hier sind beträchtliche Unterschiede vorhanden.

In der Hoffnung, mit dieser Arbeit ein zuverlässiges Gerüst bereitgestellt zu haben, das in den kommenden Jahren «gefüllt» werden kann, gebe ich dieses Werk als meinen Beitrag zur 150-Jahr-Feier der Kirche in der Schweiz in die Hände aller interessierter Mitglieder und Freunde der Kirche. Sollte jemand Präzisionen oder Ergänzungen anzubringen haben, bitte ich, dies mir zur Kenntnis zu bringen. Auch bin ich offen für konstruktive Verbesserungsvorschläge.

Danken möchte ich an dieser Stelle besonders Mirielle Leuzinger für das Korrekturlesen des Manuskripts sowie allen anderen, die zu dieser Chronik beigetragen haben, durch ihre geschickten Nachforschungen und ihre bereitwilligen Auskünfte. Vor allem aber danke ich meiner Frau Rahel die nicht nur das Aktenchaos in unserem Wohnzimmer hat ertragen müssen, sondern mich zusätzlich in dieser Sache sehr unterstützt hat.

Zürich, 18. Oktober 2000
Christian Gräub

Vorwort zur 2. Auflage

Im Rahmen der am 4. Juli 2003 stattfindenden Feierlichkeiten «150 Jahre Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in der Schweiz» bin ich vom Komitee Öffentlichkeitsarbeit für die deutschsprachige Schweiz gebeten worden, die vor drei Jahren erstellte Chronik neu aufzulegen. Ich nutzte die Gelegenheit, die in der Zwischenzeit mir zugetragenen fehlerhaften oder fehlenden Angaben der 1. Auflage zu korrigieren bzw. zu ergänzen. Auch habe ich die Chronik um einige interessante Berichte und Bilder ergänzt. Um den kurzen und überschaubaren Charakter der Chronik beizubehalten, habe ich es als für das Beste erachtet, längere ergänzende Artikel in einen Anhang aufzunehmen. Darin sind auch Auszüge aus Biographien enthalten, die bis jetzt nur in Englisch erhältlich waren und die freundlicherweise von der Übersetzungsabteilung der Kirche in Frankfurt am Main für diese Chronik übersetzt worden sind.

Mein Dank geht daher an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Übersetzungsabteilung sowie an die zahlreichen weiteren Helfer und Helferinnen im In- und Ausland, die durch ihre unermüdliche Forschungsarbeit dazu beigetragen haben, diese Neuauflage interessant und informativ zu machen.

Obwohl diese Chronik gegenüber der ersten Auflage stellenweise sehr verfeinert wurde, so ist sie doch kein Geschichtsbuch und auch keine Forschungsarbeit. Ich bin mir bewusst, dass gerade im Bereich des statistischen Materials, der Erarbeitung eines Namen- und Personenregisters oder eines umfangreichen Sach- und Quellenregisters noch viel zu tun bleibt. Was über viele Jahrzehnte versäumt worden ist, lässt sich durch ehrenamtliche Arbeit in wenigen Monaten nicht wett machen. Der Leser und die Leserin kann jedoch davon ausgehen, dass den hier aufgeführten Ereignissen immer eine überprüfbare Quelle zugrunde liegt; aufgrund der Mangelhaftigkeit vieler Quellen war aber ein zeitraubendes, mehrmaliges Überprüfen derselben unumgänglich. Für weitere sachdienliche Hinweise bin ich deshalb nach wie vor dankbar.

Wettswil am Albis, 24. Mai 2003
Christian Gräub

Einladung für die am 4. Juli 2003 stattfindenden Feierlichkeiten zur «150 Jahre Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in der Schweiz»

Vorwort zur 3. Auflage

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175 Jahrfeier

Historische Plätze

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