26. Januar 1890 – Gebet und Fasten
Missionspräsident John U. Stucki bestimmt diesen Sonntag als Missionsfasttag für alle Mitglieder. Das Gebet und Fasten scheint von Gott erhört zu werden, denn es macht sich ein wunderbarer Geist unter allen bemerkbar und die Segnungen sind allerorten zu erkennen.
1. März 1890 – «Winterthurer Landboten«
So ist dank dem „Winterthurer Landboten“ den Medien mal endlich „ein vernünftiges Urtheil“ über die Mormonen zu entnehmen, welches „sich durch deutliche unparteiische Darlegung des wahren Sachverhaltes (einige fehlbare Angaben ausgenommen) sehr vortheilhaft [auszeichnet]“:
„Die Mormonen-Frage ist trotz aller Anstrengungen, welche die Bundesregierung seit Jahren macht, noch weit entfernt, ihre Lösung zu finden, und bildet weiterhin einen sehr heiklen Punkt in unserer Politik. Es geht uns dabei wie ihnen in der Schweiz mit der Heilsarmee. Mit den Steinen des Mobs und dem Stock der Polizei haben wir bis jetzt herzlich wenig ausgerichtet. Es scheint umgekehrt, dass die Verfolgungen, welche die Kirche der Heiligen der letzten Tage ausgesetzt ist, ihre Kraft eher stärkt als bricht. Von Utah, wo sich die Mormonen in beträchtlicher Mehrheit befinden, haben sie sich nach Idaho ausgebreitet, und es erregt daselbst ihr rasches Anwachsen einige Besorgnis. Auch in Arizona, Wyoming, Nevada, Colorado, Montana im kanadischen Nordwesten, ja selbst im sonnigen Mexiko gibt es mormonische Ansiedlungen. Und von überallher lauten die Berichte der Gouverneure dahin, dass die Mormonen fleissige, ordentliche Leute seien, die zähe an einander halten, und ihren Nachbarn nichts in den Weg legen. Das Territorium Utah hat jetzt eine Bevölkerung von mehr als 400.000 Köpfen und übertrifft in allen Elementen eines soliden Wohlstandes nicht nur jeden der kürzlich aufgenommenen Staaten, sondern sogar mehrere der älteren. Seiner Aufnahme als vollberechtigtes Mitglied der Union steht nur die Mormonenfrage im Wege. Der Abtrünnigen gibt es unter den Mormonen ausserordentlich wenige. In der Vielweiberei lebt nur ein kleiner Bruchtheil; Eingeweihte schätzen ihn auf einen Sechszehntel der Gesammtzahl. In einem Kanton von Idaho, wo 4200 Mormonen wohnen, kommen nur 30 Fälle von Mehrehe vor. Aber an dem Glaubenssatz der Vielweiberei halten sie alle fest. Das hat die jüngst in der Salzseestadt stattgefundene 60. Jahreskonferenz neuerdings in feierlichster Weise erklärt. Immerhin scheint dieses Festhalten, wenn man den Worten des jetzigen Hauptes der Mormonkirche, des Präsidenten Woodruff, Glauben schenken darf, mehr theoretisch als praktisch gemeint; denn Woodruff, der als aufrichtiger Mann geschildert wird, versichert, dass dem Gesetze gegen die Vielweiberei insoweit Gehorsam geleistet werde, als er seine Zustimmung zum Abschluss neuer Mehrehen stetsfort verweigere. Immerhin erklärt er, gegen bereits bestehende Vielehen keine Macht zu besitzen und überhaupt auf eine Änderung des Gesetzes zu hoffen.
Unter diesen Umständen ist den Mormonen, die in allem Übrigen zu den besten Staatsbürgern der Union gehören, nur sehr schwer beizukommen, und selbst die unter dem Edmundsgestze erfolgte und neulich vom Bundesgerichte bestätigte Konfiskation ihres Kircheneigenthums wird nicht im Stande sein, den Mormonismus zu erschüttern. Die Gesundung kann nur von Innen heraus erfolgen und muss dem Gange der Zeit überlassen bleiben.“
Juni 1890 – Fünfte Ausgabe deutsches Gesangsbuch
Herausgabe einer fünften Auflage des deutschen Gesangbuchs durch das Missionsbüro in Bern. Der musikalisch bewanderte Elder Janne M. Sjödahl übernahm einen grossen Teil der Bearbeitung der neuen Auflage, die gegenüber der vierten 78 Melodien mehr aufweist und insgesamt 153 Lieder umfasst. In seinem Vorwort gibt Missionspräsident Stucki der Hoffnung Ausdruck, „dass die Arbeit, welche zu diesem Werk verwendet wurde, um dasselbe den Heiligen annehmbar zu machen, von Gottes Segen begleitet werde, damit es den Heiligen in ihrem häuslichen und öffentlichen Gottesdienste, Daheim und in der Ferne, zur Erbauung dienen möge.“
Fünfte Auflage des deutschen Gesangbuchs, 1890: Das Lied „Was klingt in diesen Tagen“ des ehemaligen Missionspräsidenten Johannes Huber weist hier noch sechs Verse auf. Im heutigen Gesangbuch (Lied Nr. 9) ist es mit vier enthalten. Die Verse 3 und 5 sind schon bei der nächsten, sechsten Auflage 1901 gestrichen worden.
24. September 1890 – «Manifest» (Amtliche Erklärung Nr. 1)
Präsident Wilford Woodruff erlässt das sogenannte „Manifest“ (Amtliche Erklärung Nr. 1), worin er den Heiligen der Letzten Tage den Rat erteilt, „von jeder Eheschliessung, die durch die Gesetze des Landes verboten ist, Abstand zu nehmen“. Diese Erklärung entzieht den – vielfach heuchlerisch auf die öffentliche Moral und Sittlichkeit hinweisenden – Gegnern der Kirche in den Vereinigten Staaten wie auch in der Schweiz fortan einen Grossteil ihrer Argumentationsgrundlage. Nach den langen Jahren des gegenseitigen Unverständnisses und der Verbitterung beginnt eine kirchenweite Ära der Aussöhnung.
Kapitel Chronik
Anhang der Chronik
175 Jahrfeier
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
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175 Jahrfeier
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Mount Brigham (1850)
Tempel Zollikofen (1955)
