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Chronik

1901 – Zeugniss Ausgewanderten

9. Juni 1901 – Sechste Auflage Gesangbuch

Unter der Leitung eines Komitees, bestehend aus den Brüdern Arnold H. Schulthess, Richard T. Haag und John J. McClellan, erscheint in Berlin die sechste Auflage des Gesangbuchs. Als Verbesserung gegenüber der fünften Auflage ist nun jedem Lied eine eigene Melodie gegeben. Das Komitee erläutert im Vorwort einen Umstand, der bei jeder Neubearbeitung des Gesangbuchs zu Tage tritt: „Um für jedes Lied eine eigene Melodie zu gewinnen und mehrere neue einzuschalten, ist es nötig gewesen, einige Lieder, die wir sehr ungern vermissen, die aber leider ohne Melodien blieben, auszulassen. Dasselbe müssen wir sagen von Liedern mit vielen Versen, von denen nur einige Verse aufgenommen wurden. … Die im Texte und in Melodie gemachten Veränderungen werden bald Anerkennung finden, wenngleich sie anfangs der gewohnten Weise etwas auffallend entgegentreten werden.“

 15. Juni 1901 – Zeugniss Ausgewanderten

Regelmässig erscheinen im „Stern“ Zeugnisse von ausgewanderten Schweizer Mitgliedern; bereits im „Darsteller“ sind solche zu finden. Es lohnt sich, am Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert, stellvertretend für die vielen anderen, dasjenige von Schwester Ursula Gubler geb. Müller wiederzugeben (sie verstarb kurze Zeit später, am 20. September 1901, in Santa Clara):

„Es war im Mai 1859, als ich durch die Taufe in den ewigen Bund aufgenommen wurde und war glücklich und hocherfreut mit meinem Gatten, den Weg zum Reich Gottes gefunden zu haben. Dem Rufe Gottes folgend entschlossen wir uns dann, die alte Heimat zu verlassen und traten mit 4 unerzogenen Kindern im August 1859 die weite Reise an, und verliessen in Begleitung vieler Gleichgesinnten alles was uns lieb und theuer war.

Im Frühling 1860 reisten wir mit Ochsenwagen über die Steppen Amerikas und kamen im Oktober glücklich in der Salzseestadt an. Zuerst blieben wir in einer Ansiedlung nahe bei Ogden bis wir im November 1860 von dem ehrwürdigen Führer der Kirche berufen wurden, nach dem Süden zu ziehen um Zion aufzubauen und Wüsten in fruchtbare Felder und Gärten umzuwandeln, und haben durch die Güte Gottes eine bleibende Heimat gefunden. Überzeugt, dass wir am rechten Platz sind, haben wir nie an der Vorsehung Gottes gezweifelt, doch kamen manche Prüfungen über uns, aber auch da fühlten wir die Hand des Herrn. Die grösste Prüfung kam über mich als ich am 17. Mai 1899 von einem Nervenschlag getroffen wurde und 77 Jahr alt, so hilflos wie ein Kind wurde, doch auch da wurde ich von meinen Kindern und Enkeln mit grösster Sorgfalt, Achtung, Liebe und Geduld gepflegt, besonders stand mir meine ältere Tochter allezeit tröstend und aufmundernd zur Seite. Auch in diesem bin ich Gott dankbar und freue mich ein Mitglied der Kirche Christi zu sein, und ich gebe mein Zeugnis, dass dieses Werk Wahrheit ist und in Ewigkeit bleiben wird. Während meiner Krankheit wurde ich auch fleissig von Brüdern und Schwestern besucht, welche alle herzlichen Anteil an meiner Prüfung nahmen, möge Gott ihr Belohner sein und ein jedes vor solcher Krankheit bewahren, ist mein innigster Wunsch.“

Das Ortsmuseum von Santa Clara, in welchem Gegenstände gezeigt werden, die von den Pionieren gebraucht wurden und zumeist aus der alten Heimat mitgebracht worden waren.
(Zur Verfügung gestellt von Walter Lips, Lugano-Paradiso.)

Präsident Brigham Young ordnete im Herbst 1860 an, dass 85 nach Utah ausgewanderte Schweizer unter dem Kommando von Daniel Bonelli (ehemals Bommeli aus dem Kanton Thurgau) in den Süden von Utah ziehen sollten, um dort Weintrauben und andere Früchte sowie Baumwolle anzubauen. Als umsichtiger Führer brachte Bruder Bonelli die Gruppe sicher nach St. George und Santa Clara, wo sie nach beschwerlicher Reise – die Strasse war teilweise schlimmer als ein Bachbett – anlangten. Unter schwierigsten Bedingungen gelang es den ehemaligen Thurgauer und Emmentaler Bauern, den ihnen gänzlich fremden, alkalischen Wüstenboden urbar zu machen: Dämme und Kanäle wurden gebaut, die ausgedörrten Felder bewässert, und ein Moskitosumpf wurde trockengelegt, der als Ursache für auftretende Malaria und Gelbfieber ausgemacht worden war.

Familienphoto vor einem sogenannten „Sod House“: Der Siedlungsbau vollzog sich nach Ankunft der Pioniere immer in mehreren Etappen: Zuerst baute man überdeckte Erdlöcher, in denen es sich notdürftig hausen liess; danach folgten die Sod-Häuser, einfache Hütten aus Grasziegeln; als drittes errichtete man die „Log Cabines“, Blockhütten mit meist nur einem oder zwei Räumen; diese wurden dann sukzessive weiter ausgebaut, bis zuletzt stattliche Wohnhäuser entstanden.
(Zur Verfügung gestellt von Walter Lips, Lugano-Paradiso.)

Mit ungewohnten Pflanzen wie Baumwolle, Aprikosen und Pfirsichen versuchten die Bauern, etwas Geld zu verdienen. Langsam und unter Überwindung vieler Rückschläge gelangten die meisten über die Jahre zu bescheidenem Wohlstand. Santa Clara gehört, wie Heber und Midway, noch heute zu den typischen Schweizer Dörfern in Utah, und alljährlich wird anlässlich traditioneller Volksfeste das alte Schweizer Brauchtum zelebriert.

„Kuhmelken“ an den „Swiss Days“ in Santa Clara, einem grossen Volksfest, anlässlich dem der eingewanderten Schweizer Pioniere gedacht und das schweizerische Brauchtum zelebriert wird. Die Hauptstrasse von Santa Clara ist dann mit Dutzenden von Schweizerfahnen festlich geschmückt.
(Zur Verfügung gestellt von Walter Lips, Lugano-Paradiso.)

15. März 1902 – Nachruf Henry Eyring

Der „Stern“ meldet, dass Ältester Henry Eyring verstorben sei; der Nachruf wird hier auszugsweise wiedergegeben:

„Henry Eyring… wurde in Coburg, Sachsen, Deutschland den 9. März 1835 geboren. In seinem 18. Lebensjahre wanderte er nach Amerika aus, wo er sich in St. Louis niederliess und in einer Apotheke arbeitete. Er vernahm, dass die Mormonen in jener Stadt missionirten; sie erregten seine Neugierde, dass er eines Abends ihre Versammlung besuchte. Was er hörte, machte einen guten Eindruck auf ihn, sodass er sich im Jahre 1855 den 11. März der Kirche Jesu Christi, der Heiligen der letzten Tage, anschloss. Schon den folgenden Oktober wurde er berufen, eine Mission in Indian Territorium zu erfüllen. Er wirkte erfolgreich, bis er 1860 nach Zion reiste und sich in St. George niederliess. Von dieser Zeit bekleidete er bis zu seinem Tode hohe und verantwortliche Stellungen in der Kirche. In dem Jahre 1874 bis 1876 erfüllte er eine Mission in der Schweiz und Deutschland, wo er auch das Buch ‚Lehre und Bündnisse‘ in die deutsche Sprache übersetzte; er wird deshalb vieler deutschsprechenden Heiligen noch in Erinnerung sein… Er wird noch lange unter seinem Volke leben, obwohl er gestorben ist.“

Henry Eyring (1835-1902), dessen Urenkel Henry B. Eyring (*1933) seit 1995 im Rat der Zwölf dient.
(Mit Genehmigung von panarchiv.)

175 Jahrfeier

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