Die Bekehrungsgeschichte von
KARL GOTTFRIED MÄSER
1828-1901
Wie sie in der „Improvement Era“, dem Magazin für die Fortbildungsvereinigung in Amerika, im November 1899 abgedruckt wurde. Im „Stern“ vom 15. April 1923 erschien der Artikel unter dem Titel: „Wie ich ein Mormone wurde“. Der vorliegende Text ist dem Buch „Geschichte der deutschsprachigen Missionen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, Erster Band, 1971, von Albert Riedel entnommen (Seiten 119-124).
Als Oberlehrer des Budich Gymnasiums, in Dresden Neustadt, waren mir, wie den meisten meiner Lehrerkollegen in Deutschland, so sehr Zweifel eingeflösst worden, die bis zu einem gewissen Grade die höhere Schulbildung kennzeichneten, zu gleicher Zeit mir aber die Erkenntnis gab, dass die unzureichenden Verhältnisse für den Geist keinen Anhalt bieten können, ausser den dauernden wechselnden Äusserungen der grübelnden Philosophen.
Obgleich ich mit Bewunderung für den unbezwingbaren Mut, die aufrichtige Hingabe und die unermüdliche Kraft des grossen deutschen Reformators Martin Luther erfüllt war, konnte ich dennoch nicht umhin, zu erkennen, dass sein Werk nur ein einführendes war, und dass die verschiedenen protestantischen Sekten, die ihren Anfang unter dem revolutionären Aufstand des heldenhaften Mönches von Wittenberg und Worms genommen hatten, gänzlich verfehlten, seine Mission der Reformation zu erkennen. Die einzige Stärke der Protestanten schien mir ihre ablehnende Haltung der Katholischen Kirche gegenüber zu sein, während in den meisten Lehren der zahlreichen Protestantischen Sekten die Gegensätze nur zu oft in Streit ausarteten. Diese Dinge bestätigten im Grossen und Ganzen meine Ansichten über die religiösen Lehren der damaligen Zeit, und erklären die Tatsache, dass Zweifel die religiösen Eindrücke meiner Kindheit untergraben hatten, weshalb Ungläubigkeit, die man heute mit dem modernen Namen Agnostizismus bezeichnet, einen zerstörenden Einfluss auf mich ausübte.
In diesem dunklen Zeitabschnitt meines Lebens suchte ich nach einem Halt unter den politischen, sozialen, philosophischen und religiösen Ansichten der Welt, als meine Aufmerksamkeit auf ein Flugblatt über die „Mormonen“ fiel, das von einem gewissen Busch geschrieben war. Der Verfasser schrieb in einem Geiste der Ablehnung über diese fremden Leute, aber seine unvernünftigen Folgerungen und zynischen Einwürfe erweckten meine Neugierde und einen unwiderstehlichen Wunsch, mehr über den Gegenstand der Verbitterung zu erfahren, und mit hartnäckigen Nachforschungen über denselben zu beginnen. Zur damaligen Zeit gab es keine Mormonen in Sachsen, aber der Zufall wollte es, dass ich eine illustrierte Zeitung in die Hände bekam und darinnen fand, dass sie eine Mission in Dänemark hatten. Durch einen Agenten erhielt ich die Adresse des Ältesten Van Cott, dem Präsidenten der Skandinavischen Mission. Mein an diesen Herrn adressierter Brief brachte mir die Antwort, dass weder er noch sein Sekretär viel Deutsch verstünden, dass aber der Älteste Daniel Tyler, Präsident der Schweizerischen und Deutschen Mission in Genf mir alle Auskunft über den gewünschten Gegenstand „Mormonen“ geben würde. Demzufolge wandte ich mich dorthin.
Karl G. Mäser im Kreis seiner Familie
Mit Genehmigung von panarchiv.
Als Oberlehrer des Budich Gymnasiums, in Dresden Neustadt, waren mir, wie den meisten meiner Lehrerkollegen in Deutschland, so sehr Zweifel eingeflösst worden, die bis zu einem gewissen Grade die höhere Schulbildung kennzeichneten, zu gleicher Zeit mir aber die Erkenntnis gab, dass die unzureichenden Verhältnisse für den Geist keinen Anhalt bieten können, ausser den dauernden wechselnden Äusserungen der grübelnden Philosophen.
Obgleich ich mit Bewunderung für den unbezwingbaren Mut, die aufrichtige Hingabe und die unermüdliche Kraft des grossen deutschen Reformators Martin Luther erfüllt war, konnte ich dennoch nicht umhin, zu erkennen, dass sein Werk nur ein einführendes war, und dass die verschiedenen protestantischen Sekten, die ihren Anfang unter dem revolutionären Aufstand des heldenhaften Mönches von Wittenberg und Worms genommen hatten, gänzlich verfehlten, seine Mission der Reformation zu erkennen. Die einzige Stärke der Protestanten schien mir ihre ablehnende Haltung der Katholischen Kirche gegenüber zu sein, während in den meisten Lehren der zahlreichen Protestantischen Sekten die Gegensätze nur zu oft in Streit ausarteten. Diese Dinge bestätigten im Grossen und Ganzen meine Ansichten über die religiösen Lehren der damaligen Zeit, und erklären die Tatsache, dass Zweifel die religiösen Eindrücke meiner Kindheit untergraben hatten, weshalb Ungläubigkeit, die man heute mit dem modernen Namen Agnostizismus bezeichnet, einen zerstörenden Einfluss auf mich ausübte.
In diesem dunklen Zeitabschnitt meines Lebens suchte ich nach einem Halt unter den politischen, sozialen, philosophischen und religiösen Ansichten der Welt, als meine Aufmerksamkeit auf ein Flugblatt über die „Mormonen“ fiel, das von einem gewissen Busch geschrieben war. Der Verfasser schrieb in einem Geiste der Ablehnung über diese fremden Leute, aber seine unvernünftigen Folgerungen und zynischen Einwürfe erweckten meine Neugierde und einen unwiderstehlichen Wunsch, mehr über den Gegenstand der Verbitterung zu erfahren, und mit hartnäckigen Nachforschungen über denselben zu beginnen. Zur damaligen Zeit gab es keine Mormonen in Sachsen, aber der Zufall wollte es, dass ich eine illustrierte Zeitung in die Hände bekam und darinnen fand, dass sie eine Mission in Dänemark hatten. Durch einen Agenten erhielt ich die Adresse des Ältesten Van Cott, dem Präsidenten der Skandinavischen Mission. Mein an diesen Herrn adressierter Brief brachte mir die Antwort, dass weder er noch sein Sekretär viel Deutsch verstünden, dass aber der Älteste Daniel Tyler, Präsident der Schweizerischen und Deutschen Mission in Genf mir alle Auskunft über den gewünschten Gegenstand „Mormonen“ geben würde. Demzufolge wandte ich mich dorthin.
Was ich jetzt in diesem Abschnitt anführe, erfuhr ich erst 12 Jahre später in Beaver City, Utah, als Bruder Tyler es in meiner Gegenwart während einer Frauenhilfvereins-Versammlung erzählte. Als mein Brief in dem Missionshauptquartier in Genf ankam, meinte einer der durchreisenden Ältesten zu Präsident Tyler, sich nicht mit dem Briefschreiber einzulassen, sondern den Brief unbeantwortet zurückzuschicken, da es höchstwahrscheinlich nur ein Streich der deutschen Polizei wäre, uns in unseren Beziehungen zu Deutschland zu fangen. Präsident Tyler erklärte aber, dass dieser Brief einen ganz besonderen Eindruck auf ihn ausübe, ihn aber dem Vorschlage gemäss zurückschicken werde; sollte derselbe aber mit noch mehr Hinzugefügtem wiederkommen, dass der Herr dann mit dem Schreiber wäre. So bekam ich auch meinen Brief ohne Erklärung oder Unterschrift, nur in einen neuen Briefumschlag gesteckt, wieder zurück. Ich fühlte mich beleidigt und schickte denselben mit einigen Worten um Auskunft über diese befremdende Handlungsweise zu dem Ältesten Van Cott nach Kopenhagen. Als Antwort erhielt ich eine Entschuldigung von Präsident Van Cott mit dem Vermerk, dass ein Fehler unterlaufen sein müsste, da Ältester Tyler ein guter und weiser Mann sei. Er hatte aber meinen Brief mit einer Befürwortung wieder nach Genf geschickt. Dieses führte zu einem langen Briefwechsel zwischen Bruder Tyler und mir. Daraufhin wurden mir Bücher und Broschüren übersandt. Da ich in jenen Tagen einige eingebildete Ansichten über Nichtgelehrte hatte, ebenso keinen Glauben an die Bibel der religiöse Lehren, machten Briefwechsel und Veröffentlichungen keinen anderen Eindruck auf mich als den, dass Mormonismus eine weitaus grössere Sache sein müsse, als ich angenommen hatte. Darum gab ich auch meinem Wunsche Ausdruck, einen Ältesten geschickt zu bekommen.
Einige Wochen nach dem geäusserten Wunsche kam der Älteste William Budge, der jetzige Präsident des Bear Lake Pfahles, in meinem Hause an. Dieser Mann, der erste Mormone der mir begegnete, obgleich kaum fähig sich in Deutsch zu verständigen, übte mit seiner einnehmenden Persönlichkeit und vornehmen Haltung einen grossen Eindruck auf mich und meine Familie aus, welcher zum Kernpunkt eines unerlässlichen Einflusses wurde und die von ihm vertretenen Grundsätze heiligte. Nach ungefähr achtwöchigem Aufenthalt in unserer Familie, während dessen mein Schwager, Bruder Eduard Schönfeld und Frau, sowie ein anderer Dresdner Volksschullehrer sich für die Lehren des Mormonen-Ältesten interessierten, kamen die Ältesten Franklin D. Richards, der europäische Missionspräsident, und William Kimball, in Dresden an. Einige Fragen, die Bruder Budge verdolmetschte, führten acht Personen zur Taufe in die Elbe, zur ersten Taufe in diesem Lande Sachsen, der Ordnung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage gemäss.
Aus dem Wasser kommend hob ich beide Hände zum Himmel empor und sagte: „Vater, wenn das, was ich jetzt eben getan habe, Dir angenehm ist, dann gib mir ein Zeugnis; was immer Du auch von meinen Händen erwarten wirst, das werde ich tun, selbst wenn ich mein Leben für diesen Zweck niederlegen soll.“
Es schien aber auf mein brünstiges Ersuchen keine Erwiderung zu kommen, und so liefen wir zusammen nach Hause; Präsident Richards an meiner rechten und Bruder Budge an meiner linken Seite, während die anderen drei Männer eine Strecke hinter uns liefen, um keine Aufmerksamkeit zu erwecken. Die übrigen Familienmitglieder wurden einige Tage später getauft. Der Gegenstand unserer Unterhaltung war die Vollmacht des Priestertums, mit Bruder Budge als Dolmetscher amtierend. Mit einem Male hielt ich Bruder Budge an, nicht mehr weiter zu übersetzen, da ich Präsident Richards Erklärungen verstehen konnte und ihm in Deutsch antwortete, wo wiederum keine Verdolmetschung nötig war, da Präsident Richards mich ebenfalls verstehen konnte. So fuhren wir fort uns zu unterhalten, bis wir zum Abschiedsplatz kamen, als die Kundgebung plötzlich aufhörte, wie sie gekommen war. Solange es anhielt kam es mir überhaupt nicht befremdend vor, aber als es aufgehört hatte, fragte ich Bruder Budge, was das wohl bedeuten konnte, und erhielt zur Antwort, dass Gott mir ein Zeugnis gegeben hatte. Noch für lange Zeit nachher, wenn immer ich mich mit Präsident Richards in England unterhielt, konnten wir uns gegenseitig viel leichter verstehen als wenn ich versuchte mich mit Anderen zu unterhalten, bis ich in der englischen Sprache weiter fortgeschritten war.
Dies war ein offenkundiges Zeichen der Kraft des Heiligen Geistes, der sich durch die Gnade meines Himmlischen Vaters mir kundgetan hatte; dem ersten von den vielen, die noch folgten, und die mit der ehrlichen Überzeugung meiner Seele übereinstimmten, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage von Gott, und nicht von Menschen ist.
Nachfolgender Auszug stammt aus einem Artikel von Manfred Schütze zum 100. Todestag Karl Gottfried Mäsers, erschienen im „Liahona“ vom September 2001:
Karl G. Mäser gilt als das erste Mitglied der Kirche im damaligen Königreich Sachsen. Geboren wurde er in Meissen als Sohn eines Porzellanmalers der berühmten Manufaktur. Doch den Sohn zog es frühzeitig zu den Büchern, handwerkliche Tätigkeit war nicht sein Metier, ein Gegenstand, der ihm später im amerikanischen Grenzerleben, wo der Umgang mit Hammer und Axt gefragt war, noch manche Probleme bereiten sollte. In jungen Jahren erwarb er eine Ausbildung in Sprachen, verschiedenen Naturwissenschaften sowie Klavierspiel und Gesang an der bekannten Dresdner Kreuzschule und später am Lehrerseminar in der Friedrichstadt. Pädagogische und philosophische Ansichten Goethes, Schillers, Pestalozzis waren ihm wohlbekannt. Er versuchte, alles „vollkommen“ zu beherrschen. Sein Wahlspruch: „Wenn du einen Raum auskehrst, so kehre die Ecken. Wenn du deine Stiefel reinigst, so putze den Absatz.“
Im damals religiös intoleranten Sachsen war es zu schwierig, die neue Religion zu leben und zu bekennen. So blieb nur die Auswanderung, zunächst nach London und später nach Amerika. Das war ein schwerer Entschluss. So schrieb er: „Wie mich nun bei dem Rückblick auf Europa und mein liebes deutsches Vaterland schmerzliche Gefühle bewegen … so sehe ich auch, jedoch mit festem Blick, einer harten und sturmbewegten Zeit für mich jenseits des grossen Wassers entgegen.“
So traf es dann auch ein. Mit den sterblichen Überresten des zwei Tage vor der Landung verstorbenen Sohnes erreichte er mittellos Amerika. Mit Musikunterricht hielt er sich und seine Familie im Osten der USA über Wasser, bis sie 1860 gemeinsam die damals schwierige Reise mit Ochsengespannen nach dem Felsengebirge unternehmen konnten. Die Schwierigkeiten hörten auch dort nicht auf. Wer war zu jener Zeit an Sprachkursen, Zeichnen und Buchhaltung interessiert, wo es weitgehend um das Überleben ging? … Sein Sohn Reinhard schrieb über diese Jahre: „Er wusste, was es heisst, hungrig zu sein; er wusste, was es heisst, am Weihnachtstag mit seinen Lieben vor Kälte zittern zu müssen.
Anhang der Chronik
Kapitel Chronik
175 Jahrfeier
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
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175 Jahrfeier
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Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
Tempel Zollikofen (1955)