Ein Blick in die Zukunft
Frühjahrskonferenz des Distrikts Zürich
18. und 19. März 1944
Aus dem Vortrag des Missionsleiters Max Zimmer, gehalten am Samstag, 18. März 1944.
Stellvertretend für die zahlreichen Vorträge, Ansprachen und Abhandlungen Bruder Max Zimmers ist der nachfolgende Vortrag aus zweierlei Gründen in diese Chronik aufgenommen worden:
Erstens gibt er das Wesen Max Zimmers exemplarisch wieder: Max Zimmer war ein unermüdlicher Verfechter der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, ohne je engstirnig zu sein. Im Gegenteil: Sein offenes Wesen, sein waches Interesse am Weltgeschehen, machten ihn zu einem engagierten Befürworter und Förderer des Bruderschaftsgedankens; des Gedankens, dass alle Menschen Kinder Gottes sind und es jedem einzelnen ermöglicht werden soll, sich hier auf der Erde frei zu entfalten und das in ihm schlummernde göttliche Erbe ungehindert zu entwickeln. Allen politischen und gesellschaftlichen Strömungen, die dieses Ziel verfolgten, begegnete er mit grosser Aufgeschlossenheit. Es ist gewiss kein Zufall, dass Max Zimmer den Text des Liedes „Morgensterne, jauchzt vor Freud!“ (Gesangbuch, Lied Nr. 30) überarbeitete und 1937 erstmals ins Gesangbuch aufnehmen liess; und wenn in der dritten und vierten Strophe davon die Rede ist: „Menschen, reichet euch die Hand, Heilge, kommt aus jedem Land, zahllos wie am Meer der Sand. Sende bald dein ewig Reich, mach uns alle frei und gleich! Bring dein tausendjährges Reich!“, dann kommt darin das ganze Wesen Max Zimmers vollkommen zum Ausdruck, denn sein innigster Wunsch war zeitlebens: „Und sie hatten unter sich alles gemeinsam; darum gab es keine Reichen und Armen, Geknechteten und Freien, sondern sie waren alle frei geworden und hatten teil an der himmlischen Gabe.“ (4. Nephi 1:3).
Zweitens handelt es sich um einen bisher unveröffentlichten Vortrag. Mein Grossvater, Alfred Gräub sen., war noch nicht lange Mitglied der Kirche, als er berufen wurde, über die halbjährlich in Zürich stattfindenden Distrikskonferenzen Protokoll zu führen. Gewissenhaft, wie er war, begnügte er sich nicht damit, statistische Angaben festzuhalten, sondern zeichnete er alle gehaltenen Ansprachen sorgfältig auf; bis ihm noch zwei bis drei Jahren gesagt wurde, dass dies eigentlich nicht erwartet würde. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir heute über sehr genaue Aufzeichnungen der Konferenzen der Jahre 1943-1945 verfügen.
Die heutige Zeit ist erfüllt von dem Gedanken, dass wir in einer Weltenwende leben, dass wir eine alte, versinkende Welt hinter uns lassen und dass etwas ganz Neues aufgebaut werden muss. Je länger das Völkermorden dauert und je grösser die Opfer werden, desto entschiedener drängt sich dem Menschen die Überzeugung auf, dass es eine gründliche Wendung geben muss und dass wir mit allen Mitteln danach trachten müssen, die Wiederholung eines so fürchterlichen Geschehens zu verhindern. Wir müssen die letzten Gründe ausmerzen, die dieses verschuldet haben. Die Menschheit ist von dem Gedanken erfüllt, dass die Zukunft ganz anders aussehen muss als die Vergangenheit ausgesehen hat, dass das Politische, das Soziale, dass in der Erziehung, in der Industrie, in der Verteilung der Güter, des Arbeitsertrages, in den Volksrechten und in allen Dingen, die den Menschen betreffen, ganz gründliche Wandlungen notwendig sind, um einen neuen Gemeinschaftsbau aufzurichten, der Gewähr dafür bietet, dass das Leben sicherer und glücklicher sein wird als es je gewesen ist. Schon tauchen von allen Seiten Pläne und Programme auf, die dieses Ziel anstreben. Viele edle Menschen beschäftigen sich mit den Ursachen der furchtbaren Katastrophe und bringen uns gutgemeinte Rezepte, wie man die Welt neu aufbauen könnte. Mit diesem verbunden ist natürlich wiederum der alte menschliche Trieb und das Verlangen, etwas über die Zukunft wissen zu können. Es ist dieses ja kein neuer menschlicher Zug, sondern zu allen Zeiten hat sich der Mensch gerade in den Zeiten und Umständen, die für ihn ein Unglück bedeuteten, mit dem Gedanken einer bessern Zukunft beschäftigt. Er versuchte in das Dunkel, das vor ihm lag, etwas Licht zu bringen, um ahnen zu können, wie die Zukunft aussehen würde.
Es bestehen viele Pläne und Programme, die uns wirklich praktisch anmuten, andere, die wieder mehr phantastisch aussehen, die nicht auf dem Boden der Wirklichkeit oder der menschlichen Veranlagung stehen und von denen wir sagen können, dass sie sich nicht bewähren werden. Aber was die Zukunft bringen wird, ist zum grössten Teil unbekannt. Der Ausweg, der aus dieser furchtbaren Gegenwart herausführen sollte, ist noch nicht gefunden. Keine Brücken der Verständigung sind bis jetzt geschlagen worden. Es scheint, dass die Möglichkeit noch sehr weit in der Ferne liegt. Alle möchten den Frieden. „Alle suchen wir den Frieden, aber niemand weist den Weg.“
Wenn wir uns etwas mit dieser wichtigen Frage beschäftigen möchten, so wollen wir sie richtig umgrenzen und verstehen. Niemand kann die Zukunft wissen. Wohl können erfahrene Männer und Frauen mit Einfühlungsvermögen, mit einer gewissen Gabe an Voraussetzungen Schlüsse ziehen, sich auf diese Weise eine Überzeugung und Meinung bilden über die voraussichtliche Entwicklung der Welt in dieser oder jener Richtung. Aber wissen können sie und wir das nicht. Selbst die verschiedenen Wege, die jetzt gegangen werden, um etwas Licht zu bringen sind nur Vermutungen.
Jahrelange Zusammenarbeit, hier in der „Superintendentschaft“ der Sonntagsschule an Ostern 1923, verband die Brüder Max Zimmer (1897-1957), Euduard Feh (1877-1947) und Jules Brencklé (1895-1929).
(Zur Verfügung gestellt von Martha Grob, Wetzikon.)
Der einzige, der die Zukunft weiss, ist Gott im Himmel. Wir wissen von ihr nur so viel, wie er zu offenbaren geruht. Was Menschen über zukünftige Dinge vermuten und annehmen, ist eben voller Irrtum, voller Unzuverlässigkeit, wenn auch auf diesem oder jenem Gebiet ein blindes Huhn ein Körnchen finden kann. Wir möchten aber auf dem Boden der Offenbarung bleiben. Es kann auch die Zukunft nicht verstanden werden, ohne gewisse Kenntnis von der Vergangenheit.
Wenn wir die Geschichte der Offenbarungen Gottes der letzten 6’000 Jahre betrachten, finden wir vieles offenbart, das uns helfen wird, uns ein Bild von der Zukunft zu entwerfen, wobei wir uns immer bewusst sein wollen, dass die Beschäftigung mit der Zukunft uns nicht ablenken darf von den Pflichten und Aufgaben der Gegenwart. Wir wissen ja, dass die Welt sehr viele Erkenntnisse gesammelt hat in den letzten 6’000 Jahren, dass der Weg der Menschheit von unten nach oben doch eine gewisse Entwicklung darstellt, dass die Welt eine grosse Erfahrungserkenntnis gesammelt hat und darüber hinaus durch viele heilige Männer Gottes sehr viele Wahrheiten geoffenbart worden sind, die in vielen Schriften alter und neuerer Zeit niedergelegt worden sind.
Um über die Zukunft Bescheid wissen zu können, müssen wir auf den Anfang aller Dinge zurückgehen. Wir müssen wissen, dass alle Dinge wieder hergestellt werden müssen. Unter der Wiederherstellung aller Dinge verstehen wir, dass das wiederhergestellt wird, was früher vorhanden gewesen ist. Wir müssen uns mit dem Zustand der Welt am Anfang aller Dinge bekannt machen. Wir wissen aus der Schöpfungsgeschichte, wie die Welt am Anfang aller Dinge ausgesehen hat. Geographisch war sie ein zusammenhängender Erdteil. Alles Land befand sich an einer Stelle, während alles Wasser sich an einer andern Stelle befand. Wir wissen, dass später die Welt zerteilt wurde in Erdteile, Inseln usw.
Am Anfang herrschte unter den Menschen ein paradiesischer Zustand. Es gab keine Sünder auf der Welt. Wir wissen weiter, dass der Mensch in jener weit zurückliegenden Zeit eine vollkommene Sprache hatte. Es ist nicht, wie eine Scheinwissenschaft uns lehren möchte, dass der Mensch nur nach und nach sich eine Sprache angeeignet habe. Wir wissen viel mehr, dass im Paradies Adam von Gott unterrichtet wurde in seiner Sprache. Er sprach und schrieb eine vollkommene Sprache, eine Sprache, in der man nicht lügen, nicht täuschen konnte, die an Ausdrucksfähigkeit alles übertroffen hat, was irgend eine hochstehende Kultursprache erreichen konnte. Wir wissen, dass der Mensch in dieser Sprache mit Gott sprach, dass Gott ihm in dieser Sprache das Evangelium erklärte und selbst nachdem er gefallen war, Gott nicht aufhörte, ihm Licht und Erkenntnis mitzuteilen, damit er den rechten Weg nicht verliere, dass dann erst beim Turmbau zu Babbel diese Sprache verwirrt wurde.
Wir finden weiter, dass am Anfang aller Dinge schon der Plan des Evangeliums geoffenbart worden ist, dass die Weltgeschichte einen Verlauf genommen hat, in dem wir sieben grosse Tage, die wir Dispensationen nennen, unterscheiden können.
1. Dispensation: Adam
Jede Dispensation hat eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. In der ersten grossen Dispensation, in der Adam war, ist das Evangelium verkündigt worden. Nachdem der Mensch aus der Gegenwart Gottes verbannt wurde, ist er dem Gesetz des Glaubens unterstellt worden. Er sah den Schöpfer nicht mehr; er konnte ihn nur fühlen durch die Eingebung des Geistes. Nachdem er in diesem Zustand gewisse Fehler machte, musste er Busse tun. Um dieses Gefühl der Schuld gegenüber dem Schöpfer wegzunehmen, musste er, wenn er Busse getan hatte, getauft werden durch Untertauchen im Wasser. Dann sollte er den Heiligen Geist empfangen, es sollten ihm die Hände aufgelegt werden. In diesem ersten Evangeliumszeitalter wurden weitere wichtige Grundsätze gelehrt. Es wurde das Gesetz des Opferns gegeben. Im Hinblick auf das grosse Opfer in der Mitte der Zeiten wurden die ersten Opfer eingeführt als die äussern Sinnbilder des zu erwartenden grossen Sühnopfers Christi, das den Fall Adams sühnen sollte, damit alle Menschen, so wie sie durch Adam alle sterben müssen, durch Christus alle lebendig werden würden.
Wir wissen, dass dann ein gewisser Abfall stattfand. Es kam eine Nacht zwischen Montag und Dienstag der Weltgeschichte. [1]
2. Dispensation: Noah
Die zweite Dispensation wurde eröffnet von Noah. Er war berufen, einen neuen Tag der Schöpfung anzufangen, als er die Arche verliess und gewisse Gesetze für die Menschen verkündigte. Aus den drei Söhnen Noahs entstanden verschiedene Völker und Stämme, die sich auf verschiedene Erdteile verteilten. Später verfielen sie durch Ungehorsam wieder in Sünde. Bevor eine neue Nacht anbrach, wurde ein Zweig, die Jarediten, weggeführt – nach Amerika – um dort jenes Land zu besiedeln. Es kam ein grosser Abfall. Die Menschen verbreiteten allerlei Irrlehren. Es kam die Nacht zu Mittwoch.
3. Dispensation: Abraham
Abraham hatte zwei grosse Missionen zu erfüllen.
Es wurde der Grund gelegt zum Volk Israel. Gott wollte ein Volk haben, dem er sich direkt offenbarte. Während alle andern Völker nur indirekt durch den Geist Gottes beeinflusst und meistens im Götzendienst verharrten, sollte dieses Volk Israel die Offenbarungen Gottes direkt erhalten. Der Stammvater dieses Volkes war Abraham. In dieser Zeit lebte auch Melchizedek. Auch wurde in dieser Zeit die Verheissung gegeben, dass in Abraham alle Völker gesegnet werden.
Aus seinem Samen sollte Christus kommen. Wir lesen hier ferner vom Gesetz des Zehnten und andern wichtigen Grundsätzen.
Wir wissen, dass im Laufe der Jahrhunderte ein neuer Abfall stattfand; eine neue Nacht brach herein. 400-jährige Gefangenschaft in Ägypten. Das Volk wurde in Sünde verstrickt.
4. Dispensation: Moses
Dieser kam, berufen von Gott, auch wieder, um in seiner Zeit gewisse Aufgaben zu erfüllen, um einen weitern Schritt zu tun in der Entwicklung des Reiches Gottes. Moses führte das Volk Israel aus Ägypten nach Kanaan. Dieses Volk war aber so tief gefallen, dass es das Priestertum nicht mehr verstand. Daher wurde ihm das strenge Gesetz Moses gegeben (…). An Stelle des Melchizedekischen trat das Aaronische Priestertum. Hinfort sollte kein Mensch mehr wie Moses mit Gott von Angesicht zu Angesicht verkehren, sondern nur durch Urim und Thumim.
Wichtige Ereignisse haben sich in dieser Zeit abgespielt, wie wir in der Geschichte des alten Bundes lesen. Trennung des Volkes (Israel, Juda), Babylonische Gefangenschaft, Assyrische Gefangenschaft; die grossen Propheten bis auf Maleachi.
Dann kam wieder die Nacht des Abfalls.
5. Dispensation: Christus
Am Anfang des neuen Tages sandte Gott Johannes den Täufer, um eine neue Dispensation zu eröffnen. Er kam als Vorläufer von Christus. Wieder kam ein Mann mit dem Priestertum ausgestattet und brachte das Evangelium wieder auf die Erde. In dieser Dispensation mussten sehr viele wichtige Dinge geschehen.
An Stelle des Gesetzes Moses musste wieder das Evangelium gestellt werden. An die Stelle des Gesetzes Moses trat das höhere Gesetz, für das ein Teil des Volkes vorbereitet war (…). Die wahre Kirche wurde wieder hergestellt. Christus hatte ganz bestimmte Ziele, die er von Anfang an klar erkannte. Der 12-jährige Jesus im Tempel wusste ganz genau, was er zu tun hatte. Er wusste, dass er kommen musste, um das Evangelium wieder zu bringen, um die Kirche wieder herzustellen, um der Welt einen wahren Begriff von Gott zu bringen, an Stelle des unvollständigen Begriffes, den die Juden hatten. Von Moses kannten sie den Gott Israels als einen strengen, gerechten Gesetzgeber. Dieser etwas einseitige Gottesbegriff wurde von Christus vervollkommnet. Gott ist streng; er kann nicht Nachsicht üben. Er ist aber mehr als das: Er ist ein Vater. Er ist der geistige Vater aller Menschen. Diesen grossen Gedanken brachte Christus in seiner Evangeliumszeit. Sein Lebenswerk krönte er mit seinem Leiden und Sterben am Kreuz, und dann mit seiner Auferstehung.
Kaum hundert Jahre nach Christus setzte eine neue Nacht ein. Als die Apostel tot waren, da fanden Einflüsse ihren Weg in die Kirche. Das wahre Evangelium wurde vermischt mit römischer und griechischer Philosophie. Die Verordnungen wurden entweder abgeschafft oder geändert. An Stelle der Taufe z. B. trat die Besprengung kleiner Kinder. Schliesslich blieb von dem schönen Körper, mit dem Paulus noch die Kirche verglich, wenig oder nichts mehr übrig. Im Mittelalter herrschte tiefe Nacht. Mit dem Licht des Evangeliums war auch das Licht der Menschlichkeit verschwunden. Irrlehren kamen auf. Die Menschheit sass im Schatten. Hexenprozesse; Judenverfolgungen. Die böse Macht hat sich viele hundert Jahre austoben können.
6. Dispensation: Joseph Smith
Wie vorher jede Nacht vorüberging, so kam auch jetzt wieder ein neuer Tag. Am Samstag, ganz in der Frühe, sandte Gott einige tapfere Männer: Luther, Zwingli, Calvin. Das waren Männer, die zwar nicht das ganze Licht hatten, wohl aber den Mut aufbrachten, gegen die grössten Irrtümer aufzustehen, das Wort Gottes als alleinigen Massstab zu verlangen. Sie hatten nicht die vollkommene Wahrheit. Sie haben auch einige Irrlehren mitgebracht. Aber das wird uns nie die Achtung schmälern können, die wir für diese Männer empfinden.
Nach und nach kam wieder Licht in die Welt und die letzte grosse Dispensation, der Samstag, wurde von Joseph Smith eröffnet. Am Morgen, als die strahlende Sonne aufging, kam Gott der Vater, begleitete von Christus und erschien dem Propheten Joseph Smith und brach die letzte Nacht. Ein neues Licht brach an, jene grosse Dispensation, die vorbereiten sollte, was am Sonntag der Weltgeschichte kommen sollte: das Tausendjährige Reich, durch welches das unterirdische Reich abgelöst werden sollte. An diesem Samstag sollte vieles gemacht werden, das an keinem andern Tag in der Weltgeschichte gemacht wurde.
Aufführung im Jubiläumsjahr 1930, mit Szenen bedeutender Ereignisse der verschiedenen Evangeliumszeiten.
(Zur Verfügung gestellt von Fried Hunziker, Zürich.)
Das ist ein kleiner Überblick der Entwicklung der Welt, wie wir sie vom Standpunkt des Reiches Gottes sehen1: Dass wir am Samstagabend angelangt sind, dass wir die Wiederherstellung aller Dinge begonnen haben. Wir glauben, dass Gott jetzt wieder gesprochen hat, dass Offenbarungen gegeben werden, die dieses Werk leiten und führen. So schrecklich die Gegenwart ist, vom Standpunkt Gottes aus ist alles mehr oder weniger in der Linie geschehen, die die Propheten Gottes vorausgesagt haben. Wir können mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Was nicht erfüllt worden ist, wird sich in der Zukunft erfüllen. Wir erwarten verschiedene Dinge, ob sie uns noch so unglaubwürdig und unwahrscheinlich vorkommen, sie werden eintreffen. Die Erde wird wieder zusammenkommen; Wasser und Land, jedes an seiner Stelle. Es wird kein öder oder vereister Platz auf der Erde geben. Es wird keine Wüste Sahara geben keine Feindschaft zwischen Mensch und Tier und den Tieren untereinander. Die Völker werden ihre Schwerter in Pflugscharen verwandeln. Es wird alles darauf vorbereitet, dass Christus auf diese Erde kommen kann. Es wird ein Tempel errichtet werden, zu dem der Herr kommen kann. Wir glauben auch, dass wir den Gedanken der Bruderschaft mehr in Anwendung bringen müssen. Der Gedanke, dass alle Menschen Brüder sind, muss mehr und mehr durchdringen. Die Weltfriedensbestrebungen, Aufbau der Familie, Erziehung des Menschen: das alles muss durchdrungen sein vom Gedanken der Bruderschaft. Dieser Gedanke muss so durchdrungen sein, dass alle Übel dadurch von selbst verschwinden. Dass zu diesem Zweck gewaltige Umwälzungen stattfinden müssen, dass sich die böse Macht mit allen Mitteln dagegen stemmen wird, versuchen wird, diese Gedanken zu verhindern oder wenigstens zu verzögern, wie z. B. in der gegenwärtigen Zeit durch die Diktaturen. Dass Dinge kommen werden, die unsere Zukunft ganz anders gestalten müssen, ist selbstverständlich.
Wir glauben weiter, dass die Stadt Enoch, die von der Erde weggenommen wurde, weil sie zu gut für diese Erde war, zurückkommen wird, wenn einmal die Menschen auf dem Standpunkt stehen, wenn sie sich mehr dem Stande der Stadt Enoch angepasst haben werden. Wenn die Menschen wie eine grosse Familie zusammenleben, dann wird die Stadt Enoch kommen.
Die verlorenen Stämme werden zurückkommen; sie werden heilige Schriften mitbringen, sie werden helfen, den Tempel in Zion aufzubauen; ihre Brüder werden in Palästina gesammelt werden. Dieser Programmpunkt ist schon sehr weit fortgeschritten und verwirklicht. Palästina beherbergt heute 10 Mal mehr Juden als vor 30 Jahren. Das ganze Land nimmt einen neuen Aufschwung.
Das Evangelium muss noch weiter verkündigt werden. Dieses kann durch moderne Nachrichtenvermittlung rascher von statten gehen, als wir es uns vielleicht noch vorstellen. Weiter werden wir erleben, dass die Staaten auf einen Teil ihrer jetzt noch inne gehabten Selbständigkeit und Machtvollkommenheit verzichten müssen zu Gunsten des allgemeinen Bruderschaftsgedankens. Jedes Land wird das Gute, das in seiner Volkskultur vorhanden ist, behalten. Wir müssen noch weiter gehen. Was wir im einzelnen Staat erreicht haben, müssen wir möglichst ausdehnen auf die ganze Menschheit. Im Tausendjährigen Reich wird es keine Grenzen mehr geben. Diese werden verschwinden. Vor allem weil wir alle Brüder sind. Ferner wegen der Zukunft der Technik. Wenn es gutwillig geht, dann um so besser, sonst durch die harten Prüfungen. Die Welt muss ein Platz werden, in dem die ganze Menschheit als grosse Familie leben kann. Jedes Land wird auch in Zukunft seine gute Eigenart beisteuern; es soll alles Gute behalten und noch mehr dazu bekommen. Aber wir müssen heraus aus dieser mittelalterlichen, teuflischen Einrichtung. So muss denn diese Entwicklung weiter gehen. Wir müssen in der Erziehung diesem Gedanken mehr Raum geben. Wir müssen uns mehr und mehr nach Amerika richten. Das 20. Jahrhundert wird ein Jahrhundert Amerikas werden. Wir sollen natürlich nicht alles blind anbeten, was von dort kommt. Es kommt nicht nur Gutes von Amerika. Wir dürfen unsere Augen nicht vor den schädlichen Einflüssen verschliessen, die auch dort bestehen (Materialismus, Kult des Dollars usw.). Wenn ich sage, das 20. Jahrhundert wird ein Jahrhundert Amerikas sein, dann denke ich an jene Prophezeiung, die sagt, dass in der letzten Zeit würde das Gesetz des Herrn von Zion ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem. Wir glauben, dass Amerika die alte Welt ist, dass dort der Garten Eden gestanden hat, dass dieses Land von Gott zu einem besonderen Zweck immer wieder geschützt wurde, dass Gott dort sein Volk mit heiligen Propheten hatte, die uns heute im Buch Mormon erhalten sind, dass dieses Amerika als ein Zufluchtsort der Freiheit bewahrt wurde, um dort das Evangelium wieder herzustellen, dem Ausgangspunkt zu allem für die Entwicklung der letzten grossen Dispensation. Wir glauben überdies, dass die Staatsmänner Amerikas inspiriert waren, als sie jene Verfassung im Jahre 1776 entwarfen, die zum Vorbild aller andern freiheitlichen Verfassungen geworden ist. Alle Staaten, die von dieser Verfassung abgewichen sind, haben es bitter bereut und mit schweren Opfern büssen müssen (Weimarer Republik; die Verfassung nach französischem Muster). Wir sind dankbar, dass die schweizerische Verfassung von 1848 und 1874 im grossen und ganzen nach dem amerikanischen Vorbild gestaltet wurde. Der Grundstock bildet die Freiheit der einzelnen Gemeinde. In den Gemeinden und Kantonen besteht ein grosses Mass von Freiheit und Selbständigkeit. Die Zentrale muss nur solche Angelegenheiten verwalten und bestimmen, die unbedingt notwendig sind für die Entwicklung des Ganzen. Wir glauben, dass in der 3-Teilung – gesetzgebende, vollziehende und richterliche Behörde – der Wille Gottes zum Ausdruck kommt. Das ist etwas, was wir von Amerika, nicht etwas von der französischen Revolution bekommen haben. Wir glauben, dass die Männer, die diese Verfassung entwarfen, inspiriert waren, dass nach ihnen weitere grosse Männer auf die Erde gesandt wurden, die in Amerika diese Verfassung weiter entwickelten (Lincoln, Wilson). Im Gedanken des Völkerbundes ist eine Inspiration Gottes zu erkennen. Auch in der Atlantic Charta sehen wir die Hand Gottes, den Einfluss des Allmächtigen, der immer mehr darauf ausgeht, die Zustände so zu beeinflussen, dass jeder ein möglichst grosses Mass an Freiheit hat, damit er verantwortlich sein kann.
Das Höchste ist das Evangelium. Das ist das vollkommenste Gesetz der Freiheit. Alle andern sind mit dem Evangelium verbunden. Damit kommen wir auf den Konferenzgedanken [2]: dass die Wahrheit uns frei macht, dass die Freiheit in der Wahrheit liegt, dass es keine Freiheit gibt ohne Wahrheit. Die Ersetzung der Wahrheit in den faschistischen Ländern war nicht nur der Tod der Wahrheit, sondern der Tod der Freiheit. Es kann keine Freiheit geben, es sei denn, dass wir vorher die Wahrheit erkennen. Die höchste Wahrheit liegt im Evangelium. Um diese Wahrheit möglichst vielen Menschen nahezubringen, schafft Gott Mittel und Wege, damit die Wahrheit verkündigt werden kann, dass jeder in der Lage ist, sie zu prüfen, anzunehmen oder abzulehnen.
So müssen wir damit rechnen, dass alle Dinge wieder hergestellt werden, wie sie am Anfang waren, dass zu diesem Zweck gewaltige Veränderungen in der Natur und im Menschenleben sich ereignen werden, aber dass das letzte Ziel die vollkommene Aufrichtung des Reiches Gottes sein wird, dass Christus den Sieg davon tragen wird, dass wir ein Reich aufbauen, gegründet auf dem Evangelium Jesu Christi, auf den Grundsätzen, die Christus in der Bergpredigt verkündete. Wir glauben, dass die Zukunft in dieser Hinsicht gewaltige Entwicklungen und Veränderungen bringen wird. Wir glauben nicht, dass wir von allem verschont bleiben werden, was im Zuge dieser Entwicklung kommen wird, sondern nur so weit wir uns alle Mühe geben und jetzt schon durch Gehorsam dem kommenden Zustande und dem Willen des Schöpfers anpassen. Aber wir glauben an das Wort des Heilandes, dass an dem letzten Tagen würde es sein wie in den Tagen Noahs, mit einem Unterschied: Dort wurde das gottlose Geschlecht durch Wasser in der Sündflut von der Erde weggenommen, damit es nicht noch mehr von der Gnade Gottes abweicht. In unserer Zeit aber, am Ende der Dinge, wird das selbe geschehn durch Feuer. Glauben Sie, dass das ein gütiger Vater tun kann? Ich glaube es; ich halte es sogar für besser. Es wäre nicht gut, dass die Menschen so sündigen, bis sie nicht mehr gerettet werden können. Die Sündflut war nicht nur eine Strafe, sondern ebenso viel Rettungswille, damit die Menschen nicht noch mehr von der erlösenden Gnade sinken und nicht mehr gerettet werden könnten. Es wird nur verbrennen, was faul und dürr ist. Was erhaltungswert ist, nach dem höheren Gesetz lebt, nach dem Gesetz der Liebe, nach dem Gesetz des Evangeliums, dieses wird nicht verbrennen. Die Welt wird dann untergehen. Unter dem Untergang der Welt glauben wir nicht die Vernichtung dieser Erde, sondern unter der Welt verstehen wir das Böse, das Gottlose, jene bösen Mächte, die den Menschen in Sünde, Unfreiheit verstricken. Wir erwarten mit Bestimmtheit, dass diese Welt, die Welt des Bösen, die Welt der Unterdrückung, der Ungerechtigkeit, die Welt der Sünde so rasch und gründlich untergeht und durch die bessere Welt, die Welt Gottes, die Welt des Tausendjährigen Friedenreiches, wo die Menschen wie Brüder und Schwestern zusammenleben, wo das Tier seine Wildheit verlieren wird, wo das kleine Kind mit der Schlange spielen wird, wo keine Dornen und Disteln sein werden, wo alles den Gesetzen Gottes sich friedlich unterstellen wird, ersetzt werden kann. Für diese Welt arbeiten und beten wir in dieser Kirche. Das ist die Philosophie unserer Kirche. Wir versuchen jetzt schon, diese Erde zu einem Himmel zu machen. Wir werden keinen Himmel ererben, wenn wir nicht diese Erde in einen Himmel verwandeln. Das ist unsere Aufgabe. Diese Erde ist unser Wohnort. Sie wird am Ende des Tausendjährigen Reiches noch einmal eine Veränderung durchmachen, zu einem Wohnplatz, der die himmlische Herrlichkeit erreichen wird.
Vieles müssen wird noch zufügen. Aber jetzt handelt es sich darum, dass wir erkannt haben, in die Zukunft umzusehen. Jeder kann diese Wahrheit selbst feststellen. Er kann das Gefühl des Zweifels beseitigen. Er hat es in der Hand; es hängt von ihm ab. Jeder, der hier ist, hat heute so viel gehört, dass er selbst prüfen kann.
Wir haben es in der Hand. Es kommt nur auf uns an, ein Zeugnis zu bekommen von der Wahrheit dieser Botschaft, von der Botschaft dieser Kirche. Lasst uns die grosse Verantwortlichkeit, die auf jedem von uns ruht, bedenken. Lasst uns bedenken, dass wir am Samstagabend leben, dass in Kürze die Mitternachtsstunde schlagen und ein neuer Tag anbrechen wird, das Tausendjährige Reich. Möchten wir das wohl bedenken und dieses Evangelium prüfen und annehmen und uns vorbereiten auf die grossen Ereignisse, die kommen werden.
Ein Nachruf von Hellmuth Plath, Bremen, sowie ein Lebenslauf, vom Basler Missionsbüro unter Präsident Jesse R. Curtis zusammengestellt, erschienen im „Stern“ vom Dezember 1957: „Max Zimmer hat mehr als 80 Bücher übersetzt. Das war neben allem Fleiss doch Geschenk von oben. Seine Einstellung ergibt sich aus einem Ausspruch, den er in einer stillen Stunde vor nun dreissig Jahren tat: „Hier stehen unsre Namen oft im STERN, im „Wegweiser“, in Leitfäden, weil das Gesetz es fordert, aber die Hauptsache ist doch, dass unsre Namen dort oben geschrieben stehen.“
Fussnoten
-
Präsident Brigham Young fügt zwischen der Evangeliumszeit Adams und derjenigen Nochas eine Evangeliumszeit Henochs ein; auch verzichtet er auf eine Benennung nach Tagen. Es scheint sich hier also um eine Frage der Auslegung zu handeln (vgl. „Lehren der Präsidenten der Kirche“, Brigham Young, 1997, Seiten 93-95).
-
Johannes 8:32: „Ihr werde die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Anhang der Chronik
Kapitel Chronik
175 Jahrfeier
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
(c) alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht weiterverwendet werden.
175 Jahrfeier
Anhang der Chronik
Kapitel Chronik
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
Tempel Zollikofen (1955)