7. Oktober 1887 – Beschwerde abgewiesen
Der Bundesrat tritt auf die Beschwerde Elder Johann Kaspar Looslis bezüglich des Urteils des Bezirksgerichts Zofingen wegen Inkompetenz nicht ein und weist sie im Übrigen als unbegründet ab. In seinen Ausführungen hält er unter anderem fest, dass „die Voraussetzung, von welcher das Zofinger Gericht ausging, dass die Mormonen der Polygamie huldigen…, tatsächlich richtig [ist]“. Weiter verweist der Bundesrat auf die 1882 und 1887 in den Vereinigten Staaten erlassenen „strengen Strafgesetze…, welche den ausgesprochenen Zweck verfolgen, diese Unsitte auszurotten.“ Der Bundesrat stellt zudem fest: „Die Lehre der Mormonen steht in einem wesentlichen Punkte mit dem in unserm Lande herrschenden Begriffe der Sittlichkeit im Widerspruch und widerstreitet der öffentlichen Ordnung unseres Staates.“
Aufgrund des Urteils des Bezirksgerichts Zofingen hat sich Elder Loosli einer Gefängnisstrafe zu unterwerfen und eine Geldstrafe von CHF 300.— zu entrichten.
Das Urteil wird in vollem Umfang im „Stern“ vom 1. Dezember 1887 publiziert.
30. Oktober 1887 – Einreichung Petitionen
Unter der Leitung Bruder Jakob Sporis versammeln sich „einige vierzig Mitglieder“ aus verschiedenen Gemeinden in Bern zu einer Protestversammlung gegen die Erwägungen des Bundesrates. Es wird besprochen, was getan werden kann, um das Urteil zu widerlegen, die Lehren der Mormonen seien unmoralisch. Letzten Endes wird beschlossen, beim Bundesrat einen Bericht der Protestversammlung einzureichen. In der Eingabe „soll höflich dargethan werden, welch guten Einfluss der Mormonismus ausübe, dann protestirt gegen die Anschuldigung, wir seien unsittlich und der öffentlichen Ordnung und Moral zuwider, und schliesslich soll die hohe Behörde gebeten werden um die fernere Ausübung unserer religiösen Rechte und Freiheiten. Allen Geschwistern in der Schweiz ist die Eingabe zur Unterzeichnung zuzusenden.“
Dem Bundesrat werden in der Folge zwei Petitionen eingereicht, die eine unterzeichnet von Friedrich W. Schönfeld und Louis F. Mönch, dem Präsidenten und Sekretär der Schweizerisch-Deutschen Mission. Die andere trägt 267 Unterschriften von Mitgliedern aus den Kantonen Aargau, Bern, Freiburg, Genf, Neuenburg, Schaffhausen, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Waadt und Zürich.
Der streitbare gewesene Oberlehrer aus Oberwil im Simmental, Jakob Spori (ehemals Spöri; 1847-1903): Nach seiner Auswanderung im Juni 1877 widmete er sich wiederum der Lehrtätigkeit. Später wohnte er in Rexburg in Idaho und wurde dort als Direktor der neuen Bannock Stake Academy berufen, aus der schliesslich das Ricks College (heute BYU Idaho) wurde. Er brachte grosse Opfer, um diesen Erfolg zu erreichen. Einmal arbeitete er sogar bei der Eisenbahn, um zwei anderen Lehrern ihr Gehalt zahlen und so die Schule erhalten zu können.
Jakob Spori diente als erster Missionar der Kirche in Palästina.
Aus: „Die Geschichte der Kirche in der Fülle der Zeiten“, 1993, Seite 426.
Im „Stern“ vom August 1878 erschien ein erstes Zeugnis Jakob Sporis, welches bereits seinen kämpferischen Charakter zeigt: „Ich habe alle Religionen, wenigstens der Hauptsache nach, vom Schamanenthum Hinterasiens bis zum Protestantismus der ehrlichen Reformen durchstudirt, und überall Fehler in der Lehre sowie Uneinigkeit, ja theilweise babylonische Verwirrung angetroffen und ich anerbiete mich, jeder Religion und Konfession zu beweisen, dass keine mit der Bibel genau übereinstimmt, einzig ausgenommen der Mormonismus.Dass es schlechte Mormonen gibt, ist so sicher, als es schlechte Christen gibt; sind aber deswegen die Wahrheiten der Bibel nicht Wahrheiten? Dass in Utah nicht Alles heilig ist, was heilig heisst, braucht einem aufrichtigen Mormonen Niemand zu sagen und zu schreiben; denn wo sollen die faulen Fische entfernt werden, wenn nicht im Land, wo man das Netz ausleerte?“
In einem Schreiben „an die Tit. Redaktoren der bernischen Zeitungen“ widerlegte Jakob Spori im Juli 1886 aus Konstantinopel tatsachenwidrige Behauptungen, die in gewissen Zeitungen über die Mormonen verbreitet worden waren: „Wenn Unsauberkeit das Ziel des Mormonismus ist, warum sind die Missionäre oft Jahre und Jahre ohne Frau und denken, Tod sei besser als Untreue? Warum trinkt, spielt und schwört Keiner? Warum streben sie nach aller möglichen Kenntniss in Sprachen, Geschichte und Religionen der Völker, um alle Klüfte zu überbrücken, jeder Nation und Lehre auf ihrem eigenen Boden zu begegnen und ihnen leichter verständlich zu machen die erhabenen Ideen, deren Verbreitung sie sich zur Lebensaufgabe gesetzt…!“
Schliesslich wandte er sich im „Stern“ vom 15. Oktober 1901 dezidiert gegen Behauptungen, er „sei von der Kirche weg oder doch am Weggehen“.
Jakob Spori organisierte auch den ungewöhnlich massiven Protest, mit dem sich die Schweizer Mitglieder gegen den Bundesratsentscheid vom 7. Oktober 1887 wandten.
Kapitel Chronik
Anhang der Chronik
175 Jahrfeier
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
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175 Jahrfeier
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Mount Brigham (1850)
Tempel Zollikofen (1955)
