Die Entwicklung der Kirche in der Romandie, 1850-2003
von Mirielle Leuzinger-Müller
Verfasst im Mai 2003
„Mein Grossvater mütterlicherseits, Frédéric Louis Rabus, war 1907 zur Kirche gekommen und 1915 Gemeindepräsident von La Chaux-de-Fonds. Meine Mutter Henriette Thérèse wurde in St. Imier mit 8 Jahren getauft. Durch die Vorfahren meines Ehemannes, Edi Leuzinger, sind unsere Enkelkinder die sechste Generation Mitglieder in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in der Schweiz.“
Nachdem die Verkündigung des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi 1850 seinen „Schweizer“-Anfang in Genf nahm, wie in der vorliegenden Chronik beschrieben, dürfte es von allgemeinem Interesse sein, wie die weitere Entwicklung in der Westschweiz vor sich ging. Als Quellenmaterial dient hierzu folgendes:
- „DIEU ET LES FRANCAIS“, Jean Lemblé. Histoire des saints des derniers jours francophones. Editions LIAHONA, Paris, 1986.
- „BREF RESUME DU TRAVAIL MISSIONAIRE DANS LES PAYS FRANCOPHONES“, Christine Magnin, Lausanne, ca. 1991.
- „Sending the Gospel to the Swiss“, Paul-Anthon Nielson, Dez. 1989.
- „Geschichte der deutschsprachigen Missionen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, Erster Band, Albert Riedel, 1971.
- „History of the Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints in Switzerland“, Dale Z. Kirby, 1971.
Obwohl etliche Mitglieder von Genève und Lausanne bald einmal nach Utah auswanderten, gab es 1858 eine stärkere Gruppe in St. Imier im Jura. Hier knüpfen wir an und fahren wie folgt weiter:
1860
Es sind 66 Taufen in St. Imier, 10 in Genève sowie 0 in Lausanne und Neuchâtel verzeichnet. Mitglieder gibt es 30 in Genève, 6 in Lausanne, 13 in Neuchâtel und 113 in St. Imier.
2. Jan. 1860
Louis A. Bertrand, der Missionspräsident in Frankreich, kommt auf Einladung des schweizerischen Missionspräsidenten Jabez Woodard nach Genève und besucht ausser St. Imier auch Le Locle und La Chaux-de-Fonds. (In Paris darf er nicht öffentlich predigen und 1864 kehrt er nach Utah zurück. Die französische Mission wird geschlossen und erst 1912 bzw. 1923/24 wieder eröffnet.)
1863
Die Schweizerisch-Italienisch-Deutsche Mission erstreckt sich über 1’000 Meilen von Norden nach Süden und hat vier Sprachen zu bewältigen, was fürwahr kein einfaches Unternehmen ist mit den begrenzten Geldmitteln und wenigen Missionaren.
1867
Da die Gemeinde in Genève keine Versammlungen mehr abhält und die Mitglieder in anderen Kantonen zahlreicher sind, wird beschlossen, den Sitz der Mission nach St. Imier zu verlegen. Mme Morell vermietet in St. Imier ein Zimmer an Präsident Joseph S. Horne, und am 9. Mai kommen die Brüder und Urkunden nebst dem Mobiliar aus Genève an.
7. Okt. 1867
Bericht von Präsident Horne: „Seit Ankunft der Brüder Mäser und Ursenbach ist eine auffällige Verbesserung zu sehen.“ Von Taufen am Genfersee berichtet er: „Langsam stiegen die weissgekleideten Täuflinge aus den kühlen Fluten des Sees und gesellten sich zu den wartenden Geschwistern am Ufer. … In Dankbarkeit lagen sich die Geschwister in den Armen.“
1868
Beginn der Schweizerisch-Deutschen Mission. In dem Französisch sprechenden Teil der Schweiz wird durch die Tätigkeit von Bruder Octave Ursenbach (dem Präsidenten der französischen Conferenz) neues Interesse geweckt. Es ist noch strenger Winter mit verschneiten und vereisten Strassen, als am Dienstag, dem 31. Januar, Bruder Ursenbach in der Gemeinde St. Imier ankommt, am Sonntag, dem 26. und am 30. die Versammlungen besucht, und dann am 31. wieder nach Genève „marschiert“.
Am 6. Mai tauft Bruder Ursenbach 5 Personen im Genfersee. Am 7. Mai wird eine Konferenz auf dem „Feuerstein“ abgehalten. Die Gemeinden Bern, Biel, St. Imier, La Chaux-de-Fonds, etc. sind vertreten. Als Konferenzsekretär wird Bruder Karl G. Mäser berufen. Er liest den statistischen Bericht der Mission vor und gibt die Kirchenautoritäten in Zion und daheim bekannt, die alle bestätigt werden. Vier Brüder sprechen in Deutsch und Bruder Ursenbach in Französisch.
1869
In Zürich wird erstmals die Kirchenzeitschrift „Der Stern“ herausgegeben. Bruder Ursenbach verfasst die französischen Seiten für den „Stern“; unter anderem übersetzt er ausgewählte Kapitel aus dem Buch „Schlüssel zur Gottesgelehrtheit“ („Clef de Théologie») von Parley P. Pratt (1855). Nach seiner Abreise aus dem Missionsfeld werden die französischen Seiten nicht fortgesetzt.
1870/71
Krieg! Frankreich erklärt dem Deutschen Bundestag am 19. Juli 1870 den Krieg. Es sind betrübliche Zeiten. Auf beiden Seiten kann nicht missioniert werden. Die Schweiz allein bleibt wieder der ungestörte Kernpunkt der Missionstätigkeit, da die kämpfenden feindlichen Truppen ihre Neutralität anerkennen.
1879
Am 1. Januar werden die Konferenzversammlungen fortgesetzt und in La Chaux-de-Fonds sprechen in drei Versammlungen die Ältesten Flamm, Enz und Schärrer.
Im Mai erhält Präsident Henry Flamm seine Entlassung und sein Nachfolger als Missionspräsident ist Serge L. Ballif. Dieser besucht drei Geschwister in der französischen Schweiz, die von Bruder Leuba vor fünf oder sechs Jahren getauft worden waren und seitdem keinen Ältesten der Kirche gesehen hatten. Er trifft sie treu im Glauben und fest im Evangelium an. Die einzige Verbindung zu diesen Mitgliedern hatte nur brieflich bestanden.
28. Dezember 1879
In Bern wird eine Konferenz abgehalten. Die Gebiete sind aufgeteilt in Bern und Jura-Konferenz, Ostschweiz-Konferenz, nebst der Süddeutschen Konferenz und der Norddeutschen Konferenz.
April 1880
Präsident Ballif besucht die französische Schweiz und hilft Bruder Rivoir in der Verbreitung des Evangeliums. Bruder Rivoir hatte 3 Personen getauft. In diesem Teil der Mission macht die Arbeit aber nur geringe Fortschritte.
Oktober 1880
Ältester G. Grähl arbeitet im französischen Teil der Schweiz und tauft mehrere Personen in Genève.
Februar 1883
Ältester Schiess beginnt in Begleitung von Bruder Andreas Villet eine Besuchsreise in die französische Schweiz, wo sie versuchen, die Heiligen zu ermuntern und das Evangelium zu verbreiten, das in diesem Teil des Landes nicht recht Fuss fassen will.
Mai 1883
Bruder Villet schreibt an seinen Konferenzpräsidenten Schiess, dass in der französischen Schweiz sich ebenfalls nichts anstellten lässt. „Es scheint mir wirklich“, so schreibt er wörtlich, „dass die Menschen in diesen Gegenden noch nicht zur Annahme des Evangeliums bereit sind, da fast alle ihre Zufriedenheit bezeugen mit der Religion, die sie haben und keine Neigung zeigen, auf etwas anderes zu hören.“
April 1893
In Bern wird eine Konferenz der Westschweizer abgehalten. In drei Versammlungen werden die Anwesenden belehrt.
13. Mai 1894
Am Pfingstsonntag wird im grossen Kasinosaal am Bärenplatz in Bern eine Konferenz für die Westschweiz abgehalten, an der Apostel Anthon H. Lund, der Europäische Missionspräsident, teilnimmt.
21. Sept. 1894
Präsident George C. Nägle besucht Lausanne und bespricht mit den Ältesten Octave Ursenbach und Alonzo Francis die Möglichkeiten, das Werk unter den Französisch sprechenden Bewohnern der Schweiz mehr zu verbreiten. Anderntags fahren sie mit dem Dampfer über den Genfersee nach Genève und halten dort eine gut besuchte Versammlung ab.
1897
Der neue Missionspräsident Peter Loutensock schickt am 30. Mai einen Bericht über die Mission nach Amerika, aus dem Folgendes entnommen ist: „Die Schweizerische und Deutsche Mission erstreckt sich von Genève im südlichen Teil der Schweiz bis nach Kiel im nördlichen Teil Deutschlands. … In vielen Orten ist die religiöse Freiheit sehr begrenzt.“
„Die Ältesten haben versucht, ohne Beutel und Tasche zu gehen, die strengen Landesgesetze wollen es ihnen aber nicht möglich machen.“
19. Sept. 1897
In Genève wird eine französische Konferenz organisiert, welche die Gemeinden Genève, Nyon, Lausanne, Yverdon und den französischen Teil der Jurakonferenz in sich einschliesst.
Nachdem dort bisher nur wenig erreicht werden konnte, wird von 9 Taufen berichtet, was einen erfreulichen Fortschritt in diesem Teil der Mission ergibt.
1898
Die Schweizerische Mission zählt 1’078 Mitglieder in 19 Gemeinden.
Im November wird in Neuchâtel ein Gesangbuch veröffentlicht, „Cantiques de l’Eglise en français“, übersetzt von Elder Daniel R. Richards und Schwester Mathilda Cecilia Giauque.
1900-1912
Die Missionspräsidenten in dieser Zeit sind am Ende der Chronik aufgeführt. Einige Namen blieben bei den Französisch sprechenden Mitgliedern mehr in Erinnerung, wie: Serge F. Ballif / Thomas E. McKay / Hyrum W. Valentine / Angus J. Cannon / Frederick Tadje und Hugh J. Cannon.
15. Okt. 1912
Die Französisch sprechende Schweiz wird Teil der neu organisierten Französischen Mission unter dem Namen „Lausanne Conference“. Als Missionspräsident wird Edgard B. Brossard mit Missionssitz in Paris berufen.
1914
Missionspräsident Benjamin F. Howells. Wegen Ausbruch des Ersten Weltkriegs werden alle Missionare zurückgerufen. Während des Ersten Weltkriegs gehört die Westschweiz wieder zur Schweizerisch-Deutschen Mission. Die Gemeinden werden von örtlichen Brüdern betreut.
1916
Missionssitz in Basel an der Rheinländerstrasse 10 seit 1912; Präsident Hyrum W. Valentine hat trotz des Krieges bis jetzt ausgeharrt und wird im August von Präsident Angus J. Cannon abgelöst.
August 1923
Vorbereitungen zur Wiedereröffnung der Französischen Mission mit Belgien und der Westschweiz werden getroffen.
Als die Missionare ihre Arbeit in Neuchâtel wieder aufnehmen und von Tür zu Tür traktieren gehen, telefonieren erboste Anwohner der Polizei. Diese kommt und nimmt die Missionare fest. Sie müssen sie aber bald wieder gehen lassen, da sie sich ausweisen können und in der Schweiz ja Religionsfreiheit besteht.
Februar 1924
Die Westschweiz wird erneut ein Distrikt der wieder eröffneten Französischen Mission. Apostel David O. McKay, der Europäische Missionspräsident, organisiert an einer Konferenz in Lausanne die neue Französische Mission mit Frankreich, Belgien und der Westschweiz.
Missionspräsident Russell H. Blood hat den Hauptsitz in Genève.
1925
Missionspräsident Ernest C. Rossiter. Von 1925-1927 ist das Missionieren im Kanton Vaud verboten. Trotzdem nimmt das Interesse zu.
Madame Riva, eine Familie aus dem Tessin, lässt sich im Neuenburgersee taufen. Nach und nach gelangen auch ihre vier Söhne und zwei Töchter zur Taufe, der Ehemann aber nie. Einer der Söhne, Antoine, fühlt sich in der Kirche sehr wohl. Er lehnt es ab, nach den USA auszuwandern, als man es ihm vorschlägt.
Sein späterer Schwiegervater, Robert Simond, braucht fünf Jahre, bis er sich taufen lässt. Er will absolut sicher sein, dass es sich hier um die wahre Kirche Gottes handelt.
Distriktskonferenz in Lausanne, 1930.
(Zur Verfügung gestellt von Christiane Magnin, Lausanne.)
1928
Missionspräsident Peter Rulon Christensen, Hauptsitz der Mission ist immer noch Genève. Die Kirchenzeitschrit „‘Etoile de la Mission Française“ wird herausgegeben.
1929
Missionspräsident Golden L. Woolf. Distrikte sind Suisse Romand, Belgique, Paris, Lyon und Marseille. 1930 Verlegung des Missionshauptsitzes nach der Ville d’Avray, ausserhalb von Paris.
1933
Missionspräsident Daniel J. Lang. In der Romandie gibt es 280 Mitglieder.
1936
Missionspräsident Octave F. Ursenbach, Missionssitz ist Liège in Belgien.
Präsident Ursenbach hat eigene Missionsmethoden. Er sendet aus seinen amerikanischen Missionaren Basketballspieler in belgische Sportclubs zur Belehrung. Die Sache entwickelt sich so gut, dass eine Missionars-Mannschaft gegründet wird, die sogar dreimal hintereinander belgischer Meister wird. Auf diese Weise hören viele Leute von der Kirche.
1938
Missionspräsident Joseph E. Evans.
1939
Am 3. September erklären England und Frankreich Deutschland denn Krieg. Die Missionare kehren in ihre Heimat zurück. In Genève dient Brigham Young Card als Distriktsleiter und in Paris bleibt Gaston Chapuis. Ältester Card überträgt die Verantwortung für die Romandie dem Gemeindepräsidenten von Neuchâtel, Robert A. Simond. Dieser wird von Missionspräsident Thomas E. McKay, dem Präsidenten der Schweizerischen Mission, als Präsident des Westschweizer Distrikts berufen. Neuer Gemeindepräsident von Neuchâtel wird Oscar Frieden, der auch das Buch „Die Köstliche Perle“ ins Französische übersetzt, „Perle de Grand Prix“.
Da die Kirchenzeitschrit „l’Etoile“ nicht mehr erscheinen kann, gibt Ältester Simond ein „bulletin du district“ heraus.
Die Gemeinde Genève an der No. 5, rue de la Pécolat um Weihnachten in den Vierziger Jahren.
(Zur Verfügung gestellt von Pièrre Bonny, Sézégnin.)
1940
Im Juni schliesst Präsident Chapuis die Französische Mission und fährt von Paris aus über Spanien und Portugal nach Amerika. Vor seiner Abreise hat er alle Verantwortung für Frankreich dem Ältesten Léon Fargier, Gemeindepräsident von Valence, übertragen.
Während des Krieges gelangen einige schriftliche französische Berichte über engagierte Schwestern mit Schweizer Verwandtschaft an Robert Simond in der Schweiz, und von dort über Portugal nach Salt Lake City zum Bruder des späteren Propheten, Thomas E. McKay. Salt Lake City schreibt auch Anweisungen an Bruder Simond, doch die erhält er nie. Das Militär zensuriert und stoppt den normalen Postverkehr nach und aus Europa.
Zwei Älteste sind im Bericht von Bruder Lemblé besonders erwähnt, da sie in dieser Kriegszeit grosse Arbeit geleistet haben:
Antoine Riva von der Gemeinde Neuchâtel, wurde 1926 mit acht Jahren getauft. Er hatte zu Hause den Buch Mormon-Vorlesungen zugehört und war überzeugt, dass es wahr ist. Seine Familie stammte aus dem Tessin. Er wurde aber 1918 in Neuchâtel geboren. Einige Monate nach seiner Geburt wohnte die Familie wieder im Tessin, später in La Chaux-de-Fonds und schliesslich wieder in Neuchâtel.
Antoine wird 1930 zum Diakon ordiniert, mit 14 Jahren zum Lehrer, mit 16 Jahren zum Priester und 1939 zum Ältesten. Er heiratet 1943 Erica, die Tochter von Robert Simond. Dieser beauftragt ihn, 1945 die Gemeinde in Besançon in Frankreich zu betreuen. Um dies tun zu können, muss er jeden Monat sein Visa für den Grenzübertritt nach Frankreich erneuern. Er hilft seinem Schwiegervater auch, Distriktskonferenzen und Priestertumsversammlungen während der Kriegszeit zu organisieren. Später wird Antoine Ratgeber zum Missionspräsidenten Harold W. Lee.
Die Gemeinde Genève an der No. 5, rue de la Pécolat um Weihnachten in den Vierziger Jahren.
(Zur Verfügung gestellt von Pièrre Bonny, Sézégnin.)
Robert Albert Simond, am 27. Mai 1894 in Cortaillod, oberhalb des Lac de Neuchâtel geboren, erhält vom Arzt keine grossen Lebensaussichten. Er ist so schmächtig, dass er ihm höchstens zwei Jahre gibt. Er ist aber über 90 Jahre alt geworden. Er macht eine dreijährige Lehre als Gärtner und mit 20 Jahren geht er nach England. 1921 heiratet er die Engländerin Bertha Combridge.
35 Jahre lang ist er Chef-Gärtner im Spital von Neuchâtel. In jener Zeit hat er einen Traum, der ihn sehr nachdenklich macht. Ein Mann, ganz in Weiss, tritt ihm entgegen und sieht ihn mit einem derart traurigen Blick an, dass er dieses Bild nicht mehr aus seinem Gedächtnis verbannen kann. Er ist sicher, den Heiland gesehen zu haben und fragt sich, was er Falsches getan hat, dass dieser ihn so traurig angeschaut hat. Als ihn im Spital ein George Jarvis mit englischem Akzent anspricht und mit dem wiederhergestellten Evangelium bekannt macht, hört er zu. Er besucht mit seiner Familie die Versammlungen in Neuchâtel. Seine Frau und die Tochter Erica sind zur Taufe bereit. Robert untersucht alles genauestens, und erst nach fünf Jahren lässt er sich taufen.
Im gleichen Jahr, 1932, werden auch die jüngeren Brüder von Antoine Riva getauft, der 12jährige Carlo und der 11jährige Mario. 1942 lassen sich der 15-jährige Bruder Olivier und die 13jährige Schwester Helvetia, verh. Canonica taufen; und schliesslich, 1947, die 12jährige Schwester Elide, verh. Frey.
Die Gemeinde Genève an der No. 5, rue de la Pécolat um Weihnachten in den Vierziger Jahren.
(Zur Verfügung gestellt von Pièrre Bonny, Sézégnin.)
Robert Simond wird schon bald als Ratgeber in die Gemeindepräsidentschaft berufen und weitere grosse Aufgaben werden ihm übertragen:
Sieben Jahre Gemeindepräsident von Neuchâtel und während des Krieges Distriktspräsident der Romandie (1941-1955). 1947 wird er Ratgeber zu den Missionspräsidenten, zuerst zu James Barker, dann zu Golden Woolf und Harold W. Lee. Von 1956 bis 1969 ist er nicht nur Tempelgärtner, sondern auch Ratgeber zu den Tempelpräsidenten Bringhurst und Trauffer. 1972, mit 78 Jahren, wird er Patriarch für die Franzosen. Er hat auch die Erlaubnis, im Tempel patriarchalische Segen an Personen jeglicher Nationalität zu geben. Seine Frau und er gehen nach Neuchâtel zurück, als sein Hände zu zittern anfangen. Er darf als Patriarch des Pfahles Genève die Segnungen zu Hause aussprechen. 1983, mit 89 Jahren, wird er emeritiert und ein Mitglied aus Genève, Bruder Guy Junod, wird Patriarch.
Aus seiner Zeit als Gemeindepräsident in Neuchâtel wird berichtet, dass er die Kosten für die Gemeinde aus der eigenen Tasche bezahlte, wenn zu wenig Zehnten eingegangen war. Später besserte das, und 1947, als er nach dem Krieg alles wieder in die Hände des Missionspräsidenten James Barker legte, waren CHF 12’000.— Zehntengelder auf einem Bankkonto. Er war ein getreuer Diener. Viele Geschwister haben ihn in guter Erinnerung, als liebevollen Diener des Herrn, voller Hingabe und Demut.
Distriktspräsidentschaft der Romandie 1952: Robert A. Simond (Mitte) mit den beiden Ratgebern Antoine Riva (*1918) und Pierre Schütz (*1916).
(Zur Verfügung gestellt von Christiane Magnin, Lausanne.)
1946
Die Französische Mission wird wieder eröffnet, mit Sitz in Paris und James L. Barker als Präsidenten. Im Sommer besucht er die Gemeinden in der Schweiz: La Chaux-de-Fonds, Neuchâtel und Genève.
1947
Wegen Mangel an Heizmaterial wird der Sitz der Mission von Paris nach Genève verlegt.
1948
Präsident Barker benutzt die Medien (Zeitungen, Radio), um die Wahrheit über die Kirche zu verbreiten sowie auch wieder eine Basketballmannschaft, die in Frankreich 90% aller Spiele gewinnt. Auch ein Vokalquartett sowie Instrumentalkünstler werden eingesetzt. Die Leute werden auch auf diese Weise wieder auf die Kirche aufmerksam gemacht.
1950
Missionspräsident Golden L. Woolf, derselbe, der schon 1929-1933 gedient hatte.
1953
Missionspräsident Harold W. Lee ist Professor an der Brigham Young Universität in Provo, Utah, für Französisch. Auf Drängen von Antoine Riva, seinem Ratgeber, wird die „Perle de Grand Prix“ mit Kirchenmitteln nochmals übersetzt. Bis auf ein paar Ausdrücke ist diese Übersetzung mit derjenigen von Bruder Oscar Frieden identisch.
1957
In Lausanne findet eine Jugendkonferenz statt. Antoine Riva, Distriktspräsident (1955-1961) und Ratgeber des Missionspräsidenten Lee, erhält ein Schreiben aus Belgien, wonach er sich besonders um einen 14jährigen Jungen, der nicht der Kirche angehört, kümmern soll: Charles Didier. Dieser lässt sich einige Monate später taufen, wird 1973 Missionspräsident in Genève und später Generalautorität der Kirche.
Missionspräsident Milton L. Christensen, Hauptsitz Paris, 3, rue de Lota, in einem eigenen Kirchengebäude.
30. Juli 1959
Grosse Jugendkonferenz in Versailles bei Paris, mit über 400 Anwesenden. In diesem Rahmen findet die Aufführung des szenischen Oratoriums „Praise Ye The Lord“ von Crawford Gates statt, erstmals in einer anderen Sprache als in Englisch: „Louez l’Eternel“, im Théâtre Montansier, mit über 200 Darstellern und Sängern. Die 130 Missionare, wovon 22 Missionarinnen, der Mission Française dürfen sich an allen Atéliers und Präsentationen beteiligen, was besonders Mirielle Müller freut, die drei Wochen zuvor als Missionarin von Frankfurt nach Paris versetzt worden war. Die Jugendkonferenz dauert bis zum 3. August.
Distriktspräsidentschaft der Romandie 1952: Robert A. Simond (Mitte) mit den beiden Ratgebern Antoine Riva (*1918) und Pierre Schütz (*1916).
(Zur Verfügung gestellt von Christiane Magnin, Lausanne.)
Der Bericht über das Oratorium wird von Franz Psota, dem Maskenbildner, nach Bern gebracht, von Max Müller und anderen ins Deutsche übersetzt und später in Zollikofen aufgeführt (Sommer 1960).
Dez. 1959
Missionspräsident Edgar B. Brossard, der früher schon als Missionar in der gleichen Mission diente.
1960
Ein Wunder geschieht: 942 Personen werden getauft.
1. Aug. 1960
Alvin R. Dyer, Europäischer Missionspräsident, teilt die Schweizerisch-Österreichische Mission in zwei eigene Missionen. Die ganze Schweiz, auch die Französisch sprechenden Mitglieder, gehören nun zur Schweizer Mission. Zu diesem Zweck wird in Lausanne eine Sonderkonferenz abgehalten.
1961
Die Region Zürich-Basel wird zu einem Meisterdistrikt organisiert. Die Westschweiz gehört nun zur neu gegründeten Ostfranzösischen Mission mit Sitz in Genève. Dem folgt am 28. Oktober 1961 in Zürich die Gründung des ersten Pfahles in der Schweiz.
Charles-Henri Keck Distriktspräsident von Genève.
1962
Jean-Pierre Umiglia Distriktspräsident von Genève.
1966
René Moulin Distriktspräsident von Genève.
1969
Mario Guggiari Distriktspräsident von Genève.
1. Mai 1969
Baubeginn des Gemeindehauses in Lausanne, des ersten Kirchengebäudes in der Romandie. Am 1. April 1970 wird die erste Versammlung in der neuen Kapelle abgehalten. Die Weihung erfolgt am 23. April 1971
Einladung zur Aufführung „La mélodie du bonheur“ („The Sound of Music“) der Gemeinde Lausanne am 13. Juni 1987. Im März des gleichen Jahres war das 1969/70 errichtete Gemeindehaus, das inzwischen renoviert und erweitert worden war, erneut dem Herrn geweiht worden.
(Zur Verfügung gestellt von Christiane Magnin, Lausanne.)
25. März 1972
Erster Spatenstich für das Gemeindehaus in Genf. Der Baufonds für das Gebäude war schon 1960 eingerichtet worden; 1971 wurde das Gelände gekauft und am 24. November 1974 wird das Haus dem Herrn geweiht.
26. Sept. 1972
Der Präsident der Kirche, Harold B. Lee, nimmt an einer Konferenz der Kirche in Lausanne teil. Auszüge aus seiner Ansprache sind im Leitfaden für das Jahr 2002 “Lehren der Präsidenten der Kirche“ enthalten (siehe Fussnote 5 im 5. Kapitel und 6 im 6. Kapitel):
„Ich bezeuge Ihnen, dass ich weiss, dass der Erretter lebt und dass das mächtige Zeugnis, das man davon haben kann, dass er lebt, dann kommt, wenn die Macht des Heiligen Geistes einem in der Seele bezeugt, dass er wahrhaftig lebt. Noch mächtiger als das, was die Augen sehen, mächtiger, als das Gespräch mit ihm es wäre, ist das Zeugnis des Geistes… Wenn dieser Geist Ihrem Geist Zeugnis gibt, dann ist das eine Offenbarung vom allmächtigen Gott.“
„Mit das Kostbarste, das wir besitzen können, die kostbarste Erkenntnis, die wir haben können, ist die, dass der Herr Gebete hört und erhört – oder, um es anders zu formulieren, dass wir lernen können, mit Gott zu reden. Beten ist nicht bloss das Aufsagen irgendwelcher Worte, wie manche Kirchen es lehren, sondern dass wir Gott, unseren himmlischen Vater, und seinen Sohn, Jesus Christus, als lebendige, wirkliche Wesen erkennen und dass wir durch das Wirken der dritten Person der Gottheit, nämlich des Heiligen Geistes, mit ihm, mit unserem himmlischen Vater, kommunizieren können, dass wir auf unsere Fragen eine Antwort und für unsere Tage Kraft erhalten können.“
15. Nov. 1975
Erster Pfahl in Frankreich, in Versailles gegründet, genannt „Pieu de Paris“.
4. Sept. 1977
Missionspräsident Owen J. Stevens teilt den Distrikt Genève.
Cyrille Muller wird Distriktspräsident von Genève und Claude Stein Distriktspräsident von Lausanne.
Präsident Stevens gründet nebst dem zweiten Distrikt etliche neue Zweiggemeinden, was allerdings unter den Mitgliedern wenig Anklang findet.
28. Sept. 1980
Missionspräsident David J. Bennion schliesst die beiden Distrikte wieder zusammen und macht die unter Präsident Stevens erfolgten Zweiggründungen rückgängig. Jean Frey wird Distriktspräsident von Genève.
4. Mai 1981
Präsident Ezra Taft Benson vom Rat der Zwölf gründet in Bern den zweiten Schweizer Pfahl.
20. Juni 1982
Gründung des ersten Pfahls in der französischen Schweiz, genannt „Pieu de Genève, Suisse“. Als Präsident wird Denis Wilford Bonny berufen.
6. März 1988
Franz Gaag wird zum zweiten Präsidenten des Pfahls Genève berufen.
30. Nov. 1997
Eric Perrier wird zum dritten Präsidenten des Pfahls Genève berufen.
2003
In der Schweiz bestehen drei Pfähle sowie der Zweig Lugano im Tessin. Die Mitgliederzahl beträgt etwas über 7’000, einschliesslich der Gemeinden bzw. Zweige Dornbirn (Österreich), Ravensburg, Singen, Bad Säckingen und Freiburg i. Br. (Deutschland). Ferner in Frankreich Annecy, Annemasse, Besançon und Gex. Die Kirche wird nicht mehr verfolgt, wird aber in der Schweiz immer noch als Verein geführt, also keine staatliche Anerkennung wie in den umliegenden Ländern.
Hoffentlich wird jemand diesen Bericht weiterführen, denn laut den Prophezeiungen soll es in der Schweiz einen gewaltigen Zuwachs geben. Dass ich einen Teil dieser gewaltigen Entwicklung miterleben durfte, stimmt mich dankbar und hoffnungsfroh.
Anhang der Chronik
Kapitel Chronik
175 Jahrfeier
Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
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175 Jahrfeier
Anhang der Chronik
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Historische Plätze
Mount Brigham (1850)
Tempel Zollikofen (1955)